Flach oder definiert? Diese Faktoren bestimmen die Form deines Sixpacks

Bauchmuskel-Typen
Flach oder definiert? Diese Faktoren bestimmen die Form deines Sixpacks

Fachwissen vom Coach
ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.04.2026
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Die seitliche Ansicht von dem Sixpack eines trainierten Mannes im Gym
Foto: CandyRetriever / GettyImages

Warum sehen Sixpacks von Person zu Person so unterschiedlich aus? Diese Frage haben wir Dean Somerset, C.S.C.S., einem Trainingsphysiologen aus Edmonton, Alberta (Kanada), gestellt.

Wie ein Kinngrübchen, Haarfarbe oder Fingerlänge werden auch deine Abs größtenteils durch deine Gene bestimmt, sagt Somerset. Wenn deine Mutter, dein Vater, deine Oma oder dein Opa ein gut sichtbares Sixpack hatten – was in der Regel einen Körperfettanteil von etwa 12 Prozent oder weniger bedeutet –, wirst du wahrscheinlich Ähnlichkeiten zwischen ihren und deinen Bauchmuskeln erkennen.

Vielleicht sind deine Abs scharf definiert und wirken wie kleine Pflastersteine. Oder sie sind weniger klar abgegrenzt und erinnern eher an eine glatte Ziegelwand. Der Unterschied hängt von der Größe und Form deiner Muskeln im Bauchbereich und der Länge deiner Sehnen ab, erklärt Somerset.

Was bestimmt die Form deines Sixpacks?

Das klingt jetzt zunächst etwas verwirrend: Entscheidend für das Aussehen deiner Bauchmuskeln sind die sogenannten Muskelbäuche (lat. venter musculi). So nennt man die Anschwellungen der Muskeln zwischen Ansatz und Ursprung, die jeweils individuell ausgeprägt sein können.

Somerset: "Manche Menschen werden mit dickeren Muskelbäuchen geboren. Das kann die Abs deutlich ausgeprägter wirken lassen, weil jeder einzelne Muskel einen höheren Peak hat." Typen, die aussehen, als würden sie schwer trainieren, obwohl sie nie eine Hantel angefasst haben, haben oft genau diese Art von Muskelbauch. "Ihre Abs sind leichter sichtbar, weil der höchste Punkt des Muskels voller ist", erklärt Somerset. Hast du dort hingegen weniger ausgeprägte Ventres, wirken deine Abs flacher, weil der Peak jedes einzelnen Bauchmuskels weniger ausgeprägt ist.

Was spielt noch eine Rolle bei der Ausformung des Waschbrettbauchs?

Auch deine Sehnen, die Muskeln mit Knochen oder andere Muskeln verbinden, spielen eine große Rolle für die Optik deiner Abs. Sie bestimmen, ob dein Sixpack eher eng zusammenliegt oder größere Abstände zeigt. Wenn du mit längeren Sehnen geboren wirst, gibt es größere Lücken zwischen den einzelnen Muskelabschnitten; kürzere Sehnen bedeuten entsprechend kleinere Abstände.

Sehr anschaulich zeigen das Phänomen deine Waden: Sitzen sie hinten hoch am Bein und sehen aus wie kleine Kanonenkugeln? Dann hast du wahrscheinlich eine längere Sehne zwischen Sprunggelenk und Muskel. Nimmt der Muskel dagegen mehr Platz im unteren Bein ein, hast du eher kürzere Sehnen.

Auch ungleichmäßige oder asymmetrische Abs sind genetisch bedingt, sagt Somerset. "Wir sehen schiefe Abs in Kulturen auf der ganzen Welt, also gibt es wahrscheinlich keinen evolutionären Grund dafür", erklärt er. Es wird einfach von Generation zu Generation weitergegeben – ähnlich wie angewachsene oder nicht angewachsene Ohrläppchen.

Ein Mann mit definiertem Sixpack führt Russian Twists aus mit einem Medizinball
GeorgeRudy / GettyImages

Kann man die Form seiner Abs verändern?

In manchen Fällen kann Training allerdings beeinflussen, wie dein Sixpack aussieht. Wenn du sehr viele rotatorische Bewegungen ausführst, etwa wiederholtes Werfen eines Baseballs, kann sich dein Oberkörper sichtbar neigen oder die Muskulatur diagonal wirken. Eine Seite wird stärker entwickelt als die andere, wodurch sich der Bauchbereich leicht verschiebt. "Dein Körper passt sich an, damit du besser werfen kannst", sagt er.

Bodybuilder hingegen wollen, dass ihre Abs auf der Bühne möglichst dreidimensional wirken. In der Wettkampfvorbereitung nutzen sie oft Bewegungen mit kürzerem Bewegungsradius und höherem Volumen, um einen höheren Peak in den Muskelbäuchen aufzubauen, sagt Somerset. Ein Beispiel: die Bauchmuskeln am Ende jedes Crunches so stark wie möglich anzuspannen.

Powerlifter dagegen interessieren sich nicht für Optik – nur für Leistung. Deshalb arbeiten sie mit Hochdruck-Atemtechniken, um maximale Kraft zu erzeugen. Das kann zu dickeren, dichteren Bauchmuskeln mit weniger sichtbarer Trennung führen, weshalb viele Powerlifter im Mittelbereich "blockiger" wirken. "Ein Powerlifter braucht eine Bauchmuskulatur, die stark genug ist, um enorme Lasten zu tragen", sagt Somerset. Ohne diese Stabilität riskieren sie Verletzungen wie Hernien oder eine Rektusdiastase – einen Riss im Gewebe oberhalb des Bauchnabels, das die beiden Seiten der Bauchmuskeln verbindet.

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