Frage an Experten: Warum bin ich immer so schnell außer Atem?

Kurzatmigkeit
Warum bin ich immer so schnell außer Atem?

Rat von unseren Experten
ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.04.2026
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Ein Mann steht außer Atem vor dem Meer und stützt sich auf die Knie
Foto: Goodboy Picture Company / GettyImages

Schnell außer Atem beim Treppensteigen oder Training? Viele denken dabei sofort ans Herz, doch die Ursachen für Kurzatmigkeit sind vielfältig. Neben Herz und Lunge kann auch die eigene Atemtechnik eine entscheidende Rolle spielen.

Hier beantworten 3 Fachleute aus Pneumologie, Kardiologie und Atemtherapie die Frage, wieso dir so schnell die Puste ausgeht, aus verschiedenen Perspektiven und zeigen, welche Warnsignale du ernst nehmen solltest, welche Diagnosen sinnvoll sind und wie du deine Leistungsfähigkeit gezielt verbessern kannst.

Warnsignal: wenn sich die persönliche Leistungsfähigkeit deutlich verändert

Prof. Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen-Ruhrlandklinik und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V.: "Viele denken bei Kurzatmigkeit zuerst an das Herz, und oft liegt dort auch die Ursache. Bei Beschwerden sollte jedoch immer auch die Lunge untersucht werden. Aber was gilt eigentlich als normal, was sollte jemand schaffen können, ohne 'aus der Puste' zu kommen? Schließlich ist die Leistungsfähigkeit individuell sehr verschieden, auch bei Gleichaltrigen. Wenn Menschen allerdings auffällt, dass ihr persönlich normales Pensum deutlich schwerer fällt als noch vor kurzer Zeit, sollte dem nachgegangen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um sportliche Leistungen geht oder um Alltagsfähigkeiten, wie etwa die Auffahrt zum Haus locker zu schaffen.

Der grundlegendste Funktionstest für die Lunge, die Spirometrie, kann in der Hausarztpraxis gemacht werden. Sie liefert Hinweise darauf, ob die Atemwege verengt sind, was auf die häufigen Erkrankungen Asthma oder COPD hindeutet. Sie müssen unbedingt behandelt werden, was meist mit inhalativen Medikamenten erfolgt. Eine sorgfältige Diagnose von Auffälligkeiten im Bereich der Lunge ist entscheidend, um die korrekte Therapie einleiten zu können."

Training ist für das Herz-Kreislauf-System wichtiger als Abnehmen

Georg Weyers, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie: "Akute Atemnot deutet auf eine ernste Erkrankung hin, doch viele Menschen beklagen eher schleichende Veränderungen. Die häufigsten vom Herzen ausgehenden Ursachen sind verminderte Durchblutung oder Schwäche des Herzmuskels. Die Diagnostik umfasst die gezielte Befragung des Patienten, die körperliche Untersuchung (Wassereinlagerungen?), Abhören von Herz und Lunge und ein Ruhe-EKG (mitunter auch in Belastung). Ein Herzultraschall hilft, die Aktivität des Muskels, die Klappenfunktion und die Druckverhältnisse zu beurteilen. Ergänzend können ein Ultraschall unter Belastung oder eine Katheteruntersuchung sinnvoll sein.

Bei beiden genannten herzbedingten Ursachen von Luftnot ist eine spezifische medikamentöse Therapie nötig, mitunter auch operative Maßnahmen. Als Unterstützung empfiehlt es sich, ergänzend Weißdorn einzunehmen. Studien mit dem Extrakt 'WS 1442' (z. B. im pflanzlichen Arzneimittel Crataegutt, in Apotheken) zufolge steigert es die Herzleistung, senkt das Risiko von Rhythmusstörungen und mildert Bluthochdruck. Wichtig ist Bewegung, aber immer, ohne außer Atem zu kommen. Ausdauer- oder (dosiertes!) Muskeltraining sind als gleichwertig anzusehen. Aktivsein ist wichtiger als Abnehmen!"

Chronische Hochatmung verringert die Leistungsfähigkeit deutlich

Brigitte Schmailzl, Atem- und Sportphysiotherapeutin, Gründerin des Instituts Atemwandel: "Sind Herz und Lunge unauffällig, lohnt der Blick auf das Zwerchfell. Viele nutzen diesen Haupt-Atemmuskel nur eingeschränkt. Dann verlagert sich die Einatmung auf die Atemhilfsmuskulatur, die Betroffenen atmen "hoch" und oft auch mit zu viel Luftvolumen pro Atemzug. Typische Auslöser sind Stress, ungünstige Körperhaltungen oder falsche Gewohnheit. Folgen dieser Überatmung können Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Konzentrationsprobleme sowie erhöhte Reizbarkeit der glatten Muskulatur von Blase, Darm und Bronchien sein. Bei Belastung verstärkt sich die Problematik. Auch die Atemgase im Blut können sich verschieben. Sauerstoff ist dann zwar reichlich vorhanden, wird in der Zelle aber schlechter verstoffwechselt, wenn zu wenig Kohlendioxid verfügbar ist. Diese Minderversorgung auf Zellebene kann viele Folgeprobleme verursachen.

Hochatmung mindert die Leistungsfähigkeit deutlich, auch wenn nicht immer Luftnot empfunden wird. Auch Leistungssportler können davon betroffen sein, ebenso wie Post-Covid-Patienten. Atemübungen helfen, sofern sie individuell gewählt sind. Zugleich müssen die Ursachen mitbehandelt werden und der Atem rekonditioniert."

Fazit