Mode als Spiegel von Haltung und Zeitgeist

Alexander Senning von camel active im Gespräch
Streetstyle, AI-Outfits und Birkenstock-Clogs: So tickt der neue Marketingchef von camel active

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.10.2026
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Marketingchef von camel active im Gespräch
Foto: PR

Mode ist für ihn weit mehr als die Frage, was morgens im Kleiderschrank hängt. Sie erzählt von Haltung, Gesellschaft und Zeitgeist – und verrät oft mehr über einen Menschen, als dieser selbst offen aussprechen würde.

Sein eigener Stil ist reduziert, klar und bewusst gewählt: oversized schwarze Bundfaltenhose, weißes Hemd, Penny Loafer. Gleichzeitig darf die Ordnung gerne durch ein unerwartetes Detail gebrochen werden. Im Interview erzählt der neue Marketingchef von camel active, wer ihm Stil beigebracht hat, warum er seinen Kleiderschrank digitalisiert hat und weshalb er bei Flecken wenig Geduld beweist.

Wer hat dir Stil beigebracht?

Eigentlich weniger ein „Wer“ als ein „Was“. Das erste Facehunter-Buch hat mich sehr geprägt. Diese Idee, Stil auf der Straße zu entdecken – individuell, ungefiltert und losgelöst von klassischen Modebildern – fand ich unglaublich inspirierend. Streetstyle wurde später durch Social Media natürlich allgegenwärtig, aber damals hatte das für mich noch etwas sehr Neues.

Hast du ein modisches Vorbild, lebendig oder tot?

Nick Wooster hat mich eine Zeit lang sehr beeindruckt und inspiriert. Nicht unbedingt, weil ich seinen Stil eins zu eins übernehmen wollte, sondern weil er sehr selbstverständlich mit Proportionen, klassischer Menswear und Brüchen umgeht. Er hat eine sehr eigene visuelle Handschrift – das finde ich bis heute interessant.

Wer darf dich modisch kritisieren?

Meine Frau. Und tatsächlich auch nur sie. Sie hat einen sehr guten Blick – und vor allem keine Hemmungen, mir zu sagen, wenn etwas nicht funktioniert.

Hast du ein Standard-Outfit?

Ja. Eine oversized schwarze Bundfaltenhose, ein weißes Hemd und Penny Loafer. Reduziert, aber nie beliebig.

Wie lange stehst du morgens vor dem Schrank?

Praktisch gar nicht mehr. Ich habe meinen Kleiderschrank digitalisiert und nutze eine AI, die meinen Kalender, Termine und Kontext berücksichtigt und mir morgens zwei Outfits vorschlägt. Klingt etwas absurd, funktioniert aber erstaunlich gut.

Welche Schuhe trägst du am häufigsten?

Loafer. Fast immer.

Trägst du Secondhand?

Ja, sehr gerne. Ich mag hochwertige Kleidung besonders dann, wenn sie bereits Patina entwickelt hat. Manche Dinge werden durch Gebrauch nicht schlechter, sondern erst interessant.

Besitzt du Kleidung, die du nie trägst?

Birkenstock-Clogs aus PVC. Ich habe sie für Tokio gekauft und dort waren sie bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und ständigem Regen tatsächlich perfekt. Zurück in Deutschland habe ich relativ schnell festgestellt, dass ihr natürlicher Lebensraum offenbar Asien ist. Hier sind sie deutlich weniger brauchbar.

Was war dein größter modischer Fehlkauf?

Wahrscheinlich alles, was ich gekauft habe, weil ich dachte, ich müsste es besitzen. Die schlechtesten Käufe sind selten die hässlichsten – sondern die, die nichts mit einem selbst zu tun haben.

Wie lange überlebt ein weißes Hemd bei dir?

Ungefähr zwei Jahre. Danach hat es seinen Dienst getan.

Kannst du einen Knopf annähen?

Ich kann ziemlich gut nähen. Mittlerweile besticke ich sogar Kleidung selbst.

Wann hast du zuletzt eine Krawatte gebunden?

Vorletzte Woche.

Kannst du es ohne Spiegel?

Natürlich.

Ei- und Marmeladenflecken: Was tun? Retten oder entsorgen?

Entsorgen. Mir fehlt für Flecken jede Form von Geduld. Nicht besonders nachhaltig, aber wahr.

Was sagt deine Kleidung über dich, was du selbst nie offen aussprechen würdest?

Dass ich wahrscheinlich kontrollierter bin, als ich gerne zugeben würde. Ich mag Klarheit, gute Proportionen und wenig Zufall. Gleichzeitig brauche ich immer ein Detail, das diese Ordnung wieder ein bisschen stört.

Was war dein mutigster modischer Moment?

Ich hatte tatsächlich eine ziemlich konsequente Hipster-Phase: langer Bart, Holzfällerhemden und alles, was damals noch so zum Gesamtbild gehörte. Ich würde heute nicht unbedingt von „mutig“ sprechen – aber rückblickend war es definitiv ein sehr konsequenter Look. Zum Glück existieren aus dieser Zeit nicht allzu viele Beweise.

Wird Mode überschätzt? Oder unterschätzt?

In Deutschland eher unterschätzt. Wir behandeln Mode gerne als Oberfläche. Dabei erzählt sie sehr präzise etwas über Gesellschaft, Zeitgeist, Zugehörigkeit und Veränderung – oft früher als viele andere kulturelle Disziplinen.

Kann Mode die Welt verändern?

Ja – nur selten allein. Mode ist Ausdruck und gleichzeitig Verstärker gesellschaftlicher Veränderung. Sie macht Haltungen sichtbar, verschiebt ästhetische Normen und kann verändern, wie wir Menschen, Körper, Identität oder auch Konsum wahrnehmen. Das klingt groß für etwas, das wir morgens anziehen. Aber genau darin liegt ihre Kraft.

Fazit