Wer trotz eines Infekts Sport treibt, kann dadurch eine Herzmuskelentzündung provozieren. NDAB Creativity / Shutterstock.com

Herzmuskelentzündung: Junge Männer oft betroffen

Herzmuskelentzündung Das müssen junge, sportliche Männer über eine Herzmuskelentzündung wissen

Entzündungen am Herzmuskel machen anfangs kaum Symptome, können aber tödlich verlaufen. Was gerade junge, sportliche Männer darüber wissen sollten

Du kennst die alte Leier von deinem Arzt oder deinen Eltern: "Verschlepp' deine Erkältung nicht, treibe nach einem grippalen Infekt nicht zu viel Sport. Es könnte eine Herzmuskelentzündung drohen." Doch welcher ambitionierte Sportler hält sich schon daran? Warum jedoch gerade junge, top-fitte Männer diese Warnung ernst nehmen sollten, liest du hier.

Zudem sind aktuell in Israel vermehrt Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von Biontec/Pfizer bekannt geworden - vor allem bei jungen Männern! Auch darum solltest du unbedingt die Symptome kennen, die auf eine drohende Herzmuskelentzündung hinweisen. Welche das sind, findest du ebenfalls hier.

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Was ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis)?

Als Herzmuskel wird die Muskelschicht zwischen der Herzinnen- und Herzaußenhaut bezeichnet. Über sie laufen die elektrischen Signale zur Kontraktion des Herzmuskels, um Blut aus dem Herzen in den Körper zu pumpen. Bei einer Myokarditis, so der Fachausdruck, sind die Herzmuskelzellen, die Herzkranzgefäße oder das das Herz umgebende Gewebe entzündet. Die Herzmuskel-Aktivität wird dadurch eingeschränkt, doch bemerkt man das häufig kaum. Leider. Denn ohne Beschwerden wähnt man sich leistungsfähiger, als man ist – mit der Folge, dass man sich nicht schont und so aus einer akuten eine chronische Herzmuskelentzündung zu werden droht.

Welche Ursachen hat eine Herzmuskelentzündung?

In etwa 50 Prozent der Fälle geht einer Myokarditis eine Virus-Infektion der Atemwege voraus, zum Beispiel eine starke Erkältung, Lungenentzündung oder Covid-19-Infektion. Aber auch Bakterien-, Parasiten- und Pilz-Infektionen können auf das Herz übergreifen. Im Moment steht zudem der Impfstoff von Biontech/Pfizer in Verdacht, in sehr seltenen Fällen eine Herzmuskelentzündung auslösen zu können, vor allem bei jungen Männern.

Seltener sind Herzmuskelentzündungen auch die Folge von Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Rheuma. Auch ein hoher Alkoholkonsum und einige Medikamente wie Antirheumatika und Antidepressiva können Herzprobleme auslösen.

Welche Symptome treten bei einer Herzmuskelentzündung auf?

Meist verursacht eine Myokarditis kaum Symptome oder sie sind so diffus und können auf verschiedenste Krankheiten hindeuten. Aktuell bringt man einige von ihnen eher mit einer Covid-19-Erkrankung Verbindung. So unterscheiden sich Erkältung, Grippe und Covid-19. Typische Symptome sind:

  • Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Atemnot
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Fieber

Kann man an Blutdruck und Puls eine Herzmuskelentzündung erkennen?

Nein, sie allein sind nicht aussagekräftig genug. Generell aber kann ein niedriger systolischer Wert (das ist der erstere, höhere Wert) von unter 100mm Hg ein Hinweis sein (im Idealfall liegt er normalerweise bei etwa 120mm Hg). Das sollte jeder Mann über seinen Blutdruck wissen. Kommt zu dieser "Blutdruckniedrigung" auch noch eine erhöhte Herzfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute im Ruhezustand hinzu, kann man jedoch eine Herzmuskelentzündung in Betracht ziehen.

Mit diesen Tools kannst deinen Blutdruck und deinen Puls kontrollieren.

Woran erkenne ich, dass es tatsächlich eine Myokarditis ist?

Das ist gar nicht so leicht und deshalb wird eine Herzmuskelentzündung auch häufig übersehen. Denn typische Symptome wie Müdigkeit und Kurzatmigkeit werden meist auf einen Infekt zurückgeführt, zumal Herzrasen bzw. Schmerzen hinter dem Brustbein oft gar nicht erst auftreten.

Erhöhte Entzündungsparameter, der so genannte CRP-Wert, und die Kreatin-Kinase- und Leukozyten-Werte im Blutbild können Indizien für eine Herzmuskelentzündung sein, ebenso ein auffälliges Elektrokardiogramm (EKG), das Herzrhythmusstörungen entdecken hilft, und das du bei deinem Hausarzt machen lassen kannst.

Sicherer aber ist das Ergebnis eines Herz-Ultraschalls (Echokardiographie) bei einem Kardiologen. Dabei kann die Pumpleistung des Herzens untersucht werden, die im Falle einer Herzmuskelentzündung eingeschränkt ist. Eine gesicherte Diagnose bringen ein MRT und eine Gewebeprobe des Herzmuskels.

Wichtig: Nicht du selbst, sondern nur ein Arzt kann letztendlich eine Herzmuskelentzündung sicher diagnostizieren. Einen Kardiologen in deiner Nähe findest du hier.

Warum sind junge Sportler oft von schweren Verläufen betroffen?

Generell kann jeden eine Herzmuskelentzündung treffen, und meist heilt sie auch wieder – wenn man sich in der Regenerationszeit strikt schont und auf Sport und andere körperliche Belastungen vollständig verzichtet. Denn akute Entzündungen schwächen den Herzmuskel so sehr, dass man sehr schnell an seine Belastungsgrenze gelangt.

Doch immer wieder ignorieren gerade junge, sportliche Menschen das Risiko und zwingen sich zu schnell wieder zu Hochleistungen. Der Diagnose "Plötzlicher Herztod" geht bei jungen Menschen unter 40 Jahren deshalb häufig eine verschleppte Herzmuskelentzündung voraus. Bei Autopsien junger verstorbener Menschen ohne ersichtliche Todesursache stellt sich in 10 Prozent der Fälle eine Myokarditis als wahrscheinliche Ursache heraus.

Welche Folgen hat Sport trotz einer Myokarditis?

Treibst du trotz einer Herzmuskelentzündung Sport, wird das Herz überlastet. Dies kann in der Folge zu Herzrhythmusstörungen führen, denn das Herz kann im Entzündungsfall nur ein Bruchteil seiner normalen Pumpleistung zu erbringen. Wird es dennoch gefordert, können dauerhafte Schäden wie Vernarbungen entstehen, die zu einer chronischen Herzschwäche führen können und deine Leistungsfähigkeit für immer mindern. Im schlimmsten Fall brauchst du eine Herztransplantation oder erleidest einen plötzlichen Herztod.

Aber keine Panik: In 80 Prozent aller Fälle heilt eine Herzmuskelentzündung komplett ab, und nur in 15 Prozent entwickelt sich eine chronische Herzkrankheit. Und du selbst kannst dazu beitragen, dass so weit gar nicht erst kommt.

Wie kann ich eine Herzmuskelentzündung vorbeugen?

  • Ignoriere die Signale deines Körpers nicht. Schon eine vermehrte Müdigkeit und eine geringere Leistungsfähigkeit können ernstzunehmende Hinweise sein. Wenn du dich also nach einer starken Erkältung, einer Covid-19-Infektion oder einem heftigen Magen-Darm-Infekt noch nicht richtig fit fühlst, dann schone deinen Körper oder lass dich beim Arzt durchchecken. In der Regel heilt eine Entzündung des Herzmuskels ohne Problem aus – wenn du ihm dazu die Zeit gibst.
  • Sportler sollten nach einer schweren Infektion anschließend von einem Kardiologen untersuchen lassen, ob das Herz durch die Infektion geschädigt wurde.
  • Wenn du vorhast, künftig intensiver zu trainieren, extreme Biohacks auszuprobieren oder in den Leistungssport einzusteigen, egal ob allein oder im Verein, solltest du vorher dein Herz generell beim Kardiologen untersuchen lassen. "Es ist bekannt, dass es bei Leistungssport, erst recht bei Extremsport, zum plötzlichen Herztod kommen kann, wenn eine Herzkrankheit unerkannt bleibt", warnt die Deutsche Herzstiftung.
  • Hinterfrage deinen Alkoholkonsum. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass exzessiver Alkoholkonsum zu Entzündungen im Körper führt, die auch den Herzmuskel betreffen können. Das passiert, wenn du weniger Alkohol trinkst.

Wie lange muss ich mich nach einer Herzmuskelentzündung schonen?

Bei einer diagnostizierten Herzmuskelentzündung musst du mit einer 3- bis 6-monatigen körperlichen Schonung rechnen, und erst eine abschließende Untersuchung beim Kardiologen und mit seinem Okay kannst du langsam wieder mit dem Training starten. Übrigens: Zum Schonen gehört bei einer Herzmuskelentzündung nicht nur körperliche Ruhe, sondern auch Alkohol- und Zigarettenabstinenz. So wirst du Nichtraucher.

Natürlich musst du nicht bei jeder Erkältung gleich das Bett hüten. Leichter Ausdauersport tut meist sogar gut, er steigert deine Abwehrkräfte und lindert Kopfschmerzen. Aber geh den Sport langsam an, wenn du dich nicht fit fühlst, und achte auf deinen Körper, kontrolliere Puls, Blutdruck zum Beispiel mit deinem Fitnesstracker und deine Köpertemperatur mit dem Fieberthermometer. Spätestens bei Fieber und geschwollenen Lymphknoten solltest du sportliche Aktivitäten einstellen.

Auch wenn du ein ambitionierter Sportler bist und Sportpausen einen harten Rückschlag bedeuten, bedenke: Wenn du dir eine Herzmuskelentzündung zuziehst, ist es nicht unwahrscheinlich, dass du über Monate oder womöglich für immer auf Sport verzichten musst und deine Gesundheit langfristig ruinierst.

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