Abnehmen mit Hypnose: Gegen den inneren Schweinehund ankämpfen

Kann man mittels Hypnose den inneren Schweinehund austricksen?
Kann man mit Hypnose tatsächlich abnehmen? Ja, man kann. Ein Experte verrät, wie das funktioniert und welche Ausgangslage optimal ist

Mit Hypnose den inneren Schweinehund austricksen – funktioniert das? Einige schwören auf die Methode, nach der Faulpelze zur Sportskanone wurden. Kann man mit Hypnose also tatsächlich abnehmen? Wir haben mit einem Experten gesprochen

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Schon wieder kapituliert. Dabei hatten Sie sich diesmal wirklich, wirklich vorgenommen durchzuhalten; bis der innere Schweinehund Sie mal wieder an die Couch gefesselt hat. Ausreden, den Sport sausen zu lassen oder die Tüte Chips doch zu essen, gibt es massig. Strategien, wie man sich trotz all der Verlockungen überwindet, leider viel zu wenige.

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Wenn Sie auch zu denjenigen gehören, die sich schon seit Jahren über sich selbst ärgern, weil das Durchhaltevermögen und die eigene Motivation einfach nicht ausreichen, um gesteckte Ziele in Sachen Fitness oder Ernährung zu erreichen – bitte dringend weiterlesen. Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, bei denen Hypnose anschlägt.

Warum ist der innere Schweinehund so erfolgreich?

Laut Hypnose-Coach Rainer Stimbert aus Hannover (www.hypnose-coach-stimbert.de) begehen wir oft einen gravierenden Fehler in Bezug auf den inneren Schweinehund: Wir sehen ihn als Feind an, ohne ihn wirklich kennenzulernen. Wir fragen nicht, wozu er eigentlich da ist. Genau das tut Rainer Stimbert aber mit seinen Klienten während der Hypnose.

Er sagt: „Der innere Schweinehund achtet darauf, dass es mir jetzt in diesem Moment gut geht. Er kennt nur die Gegenwart und hat kein Gefühl für die Zukunft. Er weiß nicht, dass es notwendig ist, regelmäßig Sport zu treiben, um eine tolle und definierte Figur zu haben. Stattdessen versucht er mit allen Mitteln zu suggerieren, sich auf die Couch zu legen, den Fernseher einzuschalten und sich zu entspannen."

Der innere Schweinehund liebt vor allem eines: Belohnung. Und das geht mit zuckerhaltigem oder kalorienreichem Essen nun mal am besten. Ungünstig ist jedoch, dass im Hintergrund stets das schlechte Gewissen lauert, das genau registriert, dass gerade etwas gehörig schief läuft. Ergebnis des Ganzen: ein Teufelskreis aus Frustration, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Den inneren Schweinehund bekämpfen
Um aus der Bequemlichkeit herauszukommen, hilft es, sich klare Ziele zu setzen

Welche Formen von Faulheit und Bequemlichkeit gibt es?

Bequemlichkeit hat viele Gründe. Aus seiner Praxis sind Rainer Stimbert die 3 geläufigsten bekannt.

1. Früher musste der Mensch fit sein, um seine Beute zu jagen. Eine gewisse Fitness war für ihn überlebenswichtig. Im Gegensatz dazu besteht unser Beutezug heutzutage höchstens noch aus dem Gang in den Supermarkt oder zum Kühlschrank. Dank des Internets und spezieller Lieferservices ist Bewegung praktisch nicht mehr notwendig.

2. Vielleicht haben Sie aber auch in Ihrer Prägephase im Alter von 0 bis 5 Jahren unbewusst den bequemen Lebensstil verinnerlicht. In dieser Phase übernehmen Sie 80 bis 90 Prozent Ihres Grundverhaltens von Bezugspersonen wie beispielsweise Ihren Eltern. Gerade in Sachen Ernährung und Bewegung kann das extrem prägend sein.

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3. Oder vielleicht haben Sie unschöne Erfahrungen mit sportlichen, schlanken Menschen gemacht. Beispielsweise, indem Ihnen immer der sportliche Bruder als Vorbild vor die Nase gehalten wurde. Das kann tatsächlich zu einer inneren Abneigung gegenüber diesem Typ Mensch führen. Oder Sie befinden sich schlicht in der Gesellschaft bequemer Menschen und sehen keine Notwendigkeit etwas an Ihrem Lebensstil zu ändern.

Kann Hypnose aus einem Faulpelz einen motivierten Sportler machen?

Ja, das funktioniert. Essentiell für eine Veränderung ist vor allem eines: Ehrgeiz – und wenn es nur ein ganz kleiner Funke ist. „Das reicht schon als Arbeitsgrundlage aus“, so Rainer Stimbert. „Wichtig ist, dass ich eine Vorstellung davon habe, welches Ziel ich erreichen will, wie ich dann aussehe, wie ich mich fühlen werde und welche Vorteile ich dadurch habe.“ Positive Beispiele gibt es laut Stimbert in seiner Praxis immer wieder: „Eine Teilnehmerin einer Gruppenhypnose zum Thema Abnehmen, die recht übergewichtig und unsportlich war, nahm rund 1,5 Jahre später an einem Marathon teil. Heute ist sie tatsächlich eine Sportskanone – definiert und durchtrainiert.“

Den inneren Schweinehund bekämpfen
Lieber realistische Teilziele stecken, statt alles auf einmal zu wollen

Der Trick ist, sich realistische Teilziele zu setzen, statt direkt alles zu wollen. Seien Sie dabei so konkret wie möglich. Statt "Ich will abnehmen" sollte Ihr Ziel vielmehr lauten "Ich will XY Kilo bis zum 1. März abnehmen". Und hier – beim Thema Ehrgeiz – setzt auch schon die Hypnose an ...

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Wie läuft eine Hypnose zum Abnehmen ab?

Nachdem das Ziel der Sitzung festgelegt wurde, leitet Rainer Stimbert die Trance ein. Ganz wichtig: Dies hat nichts mit der Showhypnose zu tun, die man aus dem Fernsehen kennt. Vielmehr handelt es sich bei der Hypnose um einen tiefen Entspannungszustand, bei dem der Hypnotisierte weder willenlos noch weggetreten ist. Wer sich in Trance befindet, ist extrem fokussiert und in einem derart wachen Zustand, der ihm die Möglichkeit gibt, Vorgänge im Unterbewusstsein ganz neu zu verknüpfen.

In diesem Zustand soll der Klient die unangenehme Situation, die negativen Gefühle, die mit seinem Problem verknüpft sind, noch einmal beschreiben und nachspüren. Diese Blockade gilt es zu lösen und durch positive Gefühle zu ersetzen. An dieser Stelle spielt die eigene Wunschvorstellung eine große Rolle. Wie möchte der Klient sich im Idealfall sehen? Willensstark, fit und schlank beispielsweise.

„Ich arbeite gerne mit sogenannten Bodenankern, das heißt: Ich frage den Klienten nach dem Zielwort beziehungsweise seiner Wunschpersönlichkeit. Dieses Wort schreibe ich auf einen Zettel, auf den sich der Klient ganz zum Schluss draufstellt. Das verstärkt die Wirkung nochmals deutlich". Diese Technik findet übrigens auch Anwendung im Profisport oder im Businesscoaching.

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Das gute Gefühl, das der Klient zum Ende der Sitzung hat, wird dann verankert. Das funktioniert so: Zunächst wird ein Anker ausgewählt – Stimbert nutzt hier gerne das Zusammendrücken zweier Finger. Die positiven Emotionen, die während der Hypnose auftreten, werden mit diesem Anker gedanklich verknüpft. Der Sinn dahinter: Drückt der Klient nun in bestimmten Situationen seine Finger zusammen, kann er dieses positive Gefühl erneut erleben.

Kann ich nach einer Hypnose wieder in alte Muster verfallen?

Auch hier spielt der Anker eine wesentliche Rolle: „Diesen sollte man möglichst oft üben, um die Verbindung der Neuronen im Kopf zu festigen“, so der Hypnose-Coach. Er vergleicht dies gerne mit einem Weg über eine Wiese. „Ich sehe zwar meine Fußspuren im Gras, jedoch haben sich die Halme nach kurzer Zeit wieder aufgerichtet und man erkennt nichts mehr. Gehe ich jedoch jeden Tag einige Male diesen Weg, wird schnell ein fester Pfad erkennbar. So kann man es auch auf die Neuronenanker übertragen. Das hilft mir dabei mich an mein neues Muster zu erinnern und es zu trainieren.“ Sollte all das nicht helfen, empfiehlt der Experte eine erneute Sitzung zur Auffrischung.

Den inneren Schweinehund bekämpfen
Von der Couch auf die Laufstrecke

Kann ich mit Hypnose auch meine Ernährung beeinflussen?

Beim Thema Abnehmen spielt aber nicht nur die Willensstärke hinsichtlich Bewegung eine Rolle, sondern auch und vor allem der Heißhunger auf Süßes oder Fettiges. Auch hier kann die Hypnose helfen: „Manchmal reicht es aus, wenn man den Klienten in Hypnose einmal die Auswirkungen spüren lässt, die regelmäßiger Zuckerkonsum haben kann. Und dann zeigt man ihm, wie es sich anfühlt, genau darauf zu verzichten und stattdessen nur Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die gut und gesund für den Körper sind“, sagt Rainer Stimbert. Schließlich weiß unser Unterbewusstsein genau, was gut für uns ist. 

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Hilft Hypnose zum Abnehmen bei jedem?

In Rainer Stimberts Praxis kommen Hochleistungssportler genauso wie ambitionierte Hobbysportler oder auch Menschen mit Übergewicht. Den meisten von Ihnen kann der Coach helfen, jedoch ist nicht jeder Mensch hypnotisierbar. „Das sind hauptsächlich Menschen, die nicht loslassen können, die die ständige Kontrolle brauchen. Es muss ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Klient und Hypnotiseur aufgebaut werden. Das ist die Grundlager einer jeden Sitzung.“

Die meisten Menschen sind allerdings hypnotisierbar. Für Rainer Stimbert ist jedenfalls klar: Hypnose ist eine Wunderwaffe – vor allem auf emotionaler Ebene. „Es geschieht etwas im Denken, im Verhalten, in der Wahrnehmung. Es findet ein Perspektivwechsel statt und all das geschieht unterschwellig, abseits unseres bewussten Verstandes“, so Stimbert.

Die Basis für eine erfolgreiche Hypnose ist laut Stimbert der Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten sowie der Wunsch nach Veränderung. Ist das gegeben, so hat die Hypnose eine sehr hohe Erfolgsquote und die eigene Anstrengung wird nicht als solche empfunden. Der Tipp des Experten: sich nicht unter Druck setzen, sondern abwarten und dem eigenen Unterbewusstsein die Möglichkeit geben, sich zu entfalten.

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