Das Impfserum gegen Grippe wird jedes Jahr neu zusammengestellt New Africa / Shutterstock.com

Grippeimpfung: Ist sie sinnvoll?

Grippeimpfung Wie sinnvoll ist eine Grippeimpfung?

Die Grippesaison naht. Zeit zu überlegen, ob du dich impfen lässt oder nicht. Diese aktuellen Fakten helfen dir bei der Entscheidung im Corona-Jahr

Eine Erkältung erwischt fast jeden mindestens einmal im Jahr. Lästig, aber das geht vorbei. Wer jedoch schon einmal von einer echten Grippe niedergestreckt wurde, weiß, was leiden ist.

Dieses Jahr grassieren parallel zur saisonalen Influenza die Corona-Viren. Welche gravierenden Gesundheitsgefahren letztere bergen, weiß inzwischen jeder: Selbst junge, fitte Menschen sind bereits daran gestorben oder mussten künstlich beatmet werden.

Da die Impfung gegen die saisonale Grippe keinen Schutz vor der von Corona-Viren ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 bietet, sehen viele keine Notwendigkeit, sich impfen zu lassen. Doch das stimmt so nicht mehr, zeigt eine aktuelle, vom Max-Plank-Institut für Infektionsbiologie und dem Institut Pasteur auf medRxiv veröffentlichte Studie. Alle Fakten zur neuen Datenlage und generell zur Grippeimpfung erfährst du hier.

In diesem Artikel:

Kann die saisonale Grippeimpfung vor Covid-19 schützen?

Nicht direkt, aber indirekt kann die Grippeimpfung auch vor Covid-19 schützen. Denn eine am 9. September 2020 vom Max-Plank-Institut für Infektionsbiologie veröffentlichte Studie konnten zeigen, dass eine Grippeerkrankung die Corona-Übertragung gravierend erhöht.

In einem mathematischen Modell wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Abnahme der Covid-19-Fälle im Frühling 2020 nicht nur mit Gegenmaßnahmen wie dem Lockdown, sondern auch mit dem Ende der Grippesaison zusammenhing. Grippeerkrankungen erhöhten die Ansteckung mit dem Corona-Virus im Durchschnitt um das 2,5-Fache, so die Wissenschaftler. So schützt du dich vor dem Corona-Virus.

Offen bleibt, ob Grippekranke mit höherer Wahrscheinlichkeit Corona auf andere übertragen oder ob eine Influenza Menschen anfälliger für Corona macht. Letzteres wurde als wahrscheinlicher befunden, denn dass Grippeviren die Anfälligkeit für Corona vergrößern könnten, wurde vor Kurzem auch in Laborstudien nachgewiesen: Die Grippeviren bewirken eine vermehrte Herstellung von Rezeptoren, die das Coronavirus benötigt, um an menschliche Zellen anzudocken.

Das Ergebnis der Studie legt nahe, dass auch die kommende Grippewelle einen verstärkenden Einfluss auf die Corona-Pandemie haben wird. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen daher die Bedeutung von Grippeimpfungen, auch als möglichen Schutz vor Covid-19.

Wer sollte sich gegen eine Grippe impfen lassen?

Im Prinzip jeder, gerade in diesem Corona-Jahr 2020. Mit nur einer Influenza-Impfung kann man sich effektiv vor einer Ansteckung mit Grippe-Viren und den möglichen Folgen schützen, und sein Ansteckungsrisiko mit Corona-Viren senken. Daher sollte sich im Prinzip jeder impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Instituts (RKI), vor allem aber Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko, die sogenannte "Risikogruppen". Dazu gehören Personen mit chronischen Erkrankungen wie Immunschwäche, Diabetes, Herzleiden und Asthma, Menschen, die in Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindergärten arbeiten, sowie Menschen über 60 Jahren und Schwangere.

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Wie funktioniert der Schutz vor Influenza-Erregern?

Die Grippe-Viren verändern sich häufig, daher empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr eine neue Zusammensetzung für die Herstellung aktueller Grippe-Impfstoffe. Auf diese Weise können Grippe-Epidemien verhindert werden, erklärt Susanne Glasmacher vom RKI. Der Gemeinsame Bundesausschuss beschloss 2018, dass Grippeschutzimpfungen mit einem Vierfach-Impfstoff erfolgen.

Sollte man sich schon vor der Grippewelle impfen lassen?

Ja, am besten bietet sich die Zeit zwischen September und November für eine Schutzimpfung an. Zu der Zeit ist die Grippewelle im Normalfall noch nicht ausgebrochen, da sie sich erst im Januar entwickelt, so Glasmacher. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, selbst zu Beginn der Grippewelle ist eine Grippe-Impfung sinnvoll, allerdings muss man bedenken, dass der Impfschutz 10 bis 14 Tage braucht, um vollständig aufgebaut zu sein. So schützt du dich vor Influenza-Viren.

Wie lange hält der Grippeschutz?

Man sollte sich einmal pro Jahr gegen die Influenza impfen lassen, da in jeder Grippesaison andere Erreger beteiligt sein können, so Glasmacher. Die Impfstoffzusammensetzung wird jedes Jahr neu an die jeweils erwarteten Influenzaviren angepasst. Auch lässt die Schutzwirkung mit der Zeit nach und hält vermutlich nur eine Saison lang an, so die Experten des RKI.

Was kostet eine Grippeimpfung?

Für Menschen, die einer der "Risikogruppen" angehören, ist die Grippeimpfung kostenlos. Für alle weiteren gesetzlich Versicherten gibt es keine bundesweiten Regelungen und keine Verpflichtung der Krankenkassen, die Kosten zu übernehmen. Es ist regional und kassenabhängig, ob die Impfkosten erstattet werden, so Tanja Hinzmann von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Wenn Nebenwirkungen auftreten, wann treten sie in der Regel auf?

Es kann innerhalb der ersten 3 Tage nach der Impfung gelegentlich zu Nebenwirkungen kommen. Leichte Rötungen, Schwellung der Einstichstelle oder Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Fieber und Übelkeit sind mögliche Erscheinungen. Diese Symptome sind aber meist nur von kurzer Dauer, so Glasmacher. Die Befürchtung, durch eine Impfung an einer Grippe zu erkranken, sind unbegründet. Denn der Impfstoff besteht aus Bruchstücken bereits abgetöteter Viren, so dass sich daraus keine Krankheit mehr entwickeln kann. Nur sehr selten trägt man dauerhafte Schäden nach einer Schutzimpfung gegen die Grippe davon.

Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Wer unter einer fiebrigen Erkältung mit über 38 Grad Fieber oder einer schweren Infektion leidet, sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt impfen lassen. Wer eine schwere Allergie gegen Hühnereiweiß oder andere Bestandteile des Impfstoffs hat, sollte das vorab mit seinem Arzt besprechen.

Wann ist eine Impfung während einer Schwangerschaft sinnvoll?

Deine Liebste ist schwanger? Das rät die Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): "Eine Grippeerkrankung (Influenza) in der Schwangerschaft kann die Gesundheit von Mutter und Kind ernsthaft gefährden. Beispielsweise steigt im Laufe der Schwangerschaft das Risiko für schwere Verläufe der Grippe mit Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung. Zudem erhöht eine Grippeinfektion während der Schwangerschaft die Gefahr von Wachstumsverzögerungen sowie von Fehl- oder Frühgeburten. Eine Grippeimpfung für Schwangere kann vor diesen Gefahren schützen."

Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Grippeimpfstoffen für Erwachsene um sogenannte Totimpfstoffe handelt, ist eine Impfung grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft möglich. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO die Impfung ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel. "Frauen, bei denen aufgrund einer chronischen Grundkrankheit eine Empfehlung zur Grippeimpfung besteht, sollten direkt zu Beginn der Impfsaison im Herbst geimpft werden. Bei ihnen wird eine Impfung bereits ab dem 1. Schwangerschaftsdrittel empfohlen", so die Expertin.

Wann kann man nach einer Grippeimpfung wieder Sport treiben?

"Es spricht nichts gegen eine leichte körperliche Belastung, zum Beispiel Spazierengehen oder moderates Radfahren nach der Impfung", sagt die Impf-Expertin, "Extreme sportliche Aktivitäten, beispielsweise sportliche Wettkämpfe, sollten unmittelbar nach der Impfung vermieden werden." Sport trotz Erkältung? Das musst du wissen!

Fazit: 100 % Sicherheit vor Husten und Schnupfen gibt es nicht

Auch mit einer Grippeimpfung bist du nicht völlig vor Husten und Schnupfen sicher. Denn einerseits schützt eine Grippeimpfung nicht vor bakteriell bedingten Erkältungen. Und andererseits kannst du dir Grippeviren einfangen, gegen die das Impfserum nicht immunisiert. Unterm Strich aber lohnt sich der kleine Impf-Piks gegen die Influenza, denn er reduziert das Risiko, an einer echten Grippe mit ihren schweren Krankheits-Symptomen zu erkranken, enorm. Und 2020 senkst du zudem das Ansteckungsrisiko mit Corona-Viren. Also zögere nicht!

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