Strategische Inkompetenz: Warum sich Väter oft dummstellen

Männer und Care-Arbeit
Strategische Inkompetenz: "Manche Väter können das nicht so gern"

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.09.2026
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Vater wickelt sein Baby und hält sich die Nase zu
Foto: Getty Images / LSOphoto

Bühne frei für Florian Hacke! Der Kabarettist und Vater von drei Kindern hat gerade sein erstes Buch geschrieben: "Ich könnte schreien (manchmal auch vor Glück)". Darin erzählt er vom Alltag auf dem Spielplatz und in Eltern-WhatsApp-Gruppen, vom Kreißsaal, der die meisten Paare wie eine Zeitmaschine ins Jahr 1950 zurückwirft.

Er berichtet aber auch von Vätern, die gelernt haben, die Geschirrspülmaschine so lange falsch einzuräumen, bis sich alle einig sind: Männer können das nicht so gern. Dieser Punkt ist inzwischen auch wissenschaftlich belegt und hat sogar einen Namen: strategische oder inszenierte Inkompetenz. Im Interview mit Men's Health DAD erklärt Hacke das ganze Schlamassel.

Der Begriff "inszenierte Inkompetenz" klingt erst mal hart. Wie würdest du ihn jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?

Man macht etwas so schlecht, dass es garantiert ein anderer übernimmt. Zum Beispiel Wäsche waschen. Oder rechtzeitig Badreiniger nachkaufen. Meist simple, aber öde Dinge, die früher doch auch die Mutti gemacht hat. Ich kenne einen Ingenieur bei der Deutschen Bahn, der mir erzählt hat, dass er das mit der Geschirrspülmaschine einfach nicht hinkriegt. Kein Wunder, dass bei dem Verein nichts funktioniert.

Wo hört echte Unsicherheit im Familienalltag auf — und wo beginnt dieses Muster von "Ich kann das nicht, mach du mal lieber"?

Unsicherheit fragt einmal nach und lernt dann dazu. Das Muster liefert mittelmäßig ab und reagiert beleidigt auf Korrektur. Dann jubelt es die eigene Bequemlichkeit jemand anderem als Verbot unter: "Die lässt mich ja nie!"

Hast du selbst als Vater schon Situationen erlebt, in denen du gemerkt hast: Moment, ich mache es mir gerade vielleicht zu einfach?

Früher ja, aber wenn man einmal anfängt, zu begreifen, wie beknackt das ist, ist es relativ schnell zu peinlich. Die meisten Aufgaben sind nicht schwer, sie sind bloß viel. Aber sie dauern weniger lang, als das Erfinden irgendwelcher Ausflüchte. Außerdem ist mit drei Kindern Staubsaugen schon quasi Me-Time.

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Warum kommen Väter mit Unwissen im Familienalltag oft leichter durch als Mütter? Also, warum wird der Vater gelobt, wenn er die Kinder allein auf den Spielplatz bringt – während es bei Müttern einfach erwartet wird?

Weil die Latte für Väter niedrig liegt. Bringt der Papa die Kinder zur Kita, ist das einen Post wert. Bringt die Mutter die Kinder, ist das Dienstag. Der Vater bekommt Applaus für die Grundausstattung, die Mutter bekommt Schweigen für die Meisterschaft. Ein Minister für Gleichstellung hat mir bei einer Podiumsdiskussion mal vorgeschlagen, Frauen könnten ihren Männern doch einfach eine To-do-Liste schreiben. Meine Antwort: In den meisten Beziehungen ist die Frau keine Lehrerin und der Mann nicht 8 Jahre alt.

Welche typischen Sätze oder Ausreden aus dem Familienalltag fallen dir ein, bei denen man hellhörig werden sollte?

"Ich bin da einfach nicht so strukturiert" ist verlässlich das Erste, was Männer sagen, die pünktlich zu jedem Champions-League-Spiel erscheinen. Und "sag mir einfach Bescheid" klingt nach Kooperation, ist aber Delegation der Denkarbeit. Die Liste im Kopf, wann der Kinderarzttermin ist, welche Schuhgröße das Kind gerade hat und dass nächste Woche Fasching in der Kita ist und in welcher gottverdammten WhatsApp-Gruppe man sich schon wieder für Käselaugenstangen eintragen muss, ist die eigentliche Verantwortung. Wer nur auf Ansage handelt, bleibt Azubi in der eigenen Familie und nennt die Partnerin "Regierung". Besonders einfach machen es sich aktuell die Leute, die finden, "Jetzt reicht's aber auch mal mit dieser Debatte, ich kann das Wort Care-Arbeit nicht mehr hören." Das ist ja das Gleiche in grün: Frauen sind erschöpft von Care-Arbeit, Männer vom Begriff.

Was macht strategische oder inszenierte Inkompetenz mit Müttern — nicht nur praktisch, sondern auch emotional?

Das haben tausend kluge Frauen schon beantwortet, zum Beispiel Almut Schnerring, Annika Rösler oder Patricia Cammarata, unbedingte Leseempfehlung.

Der Begriff kann schnell wie ein Vorwurf klingen. Wie spricht man als Paar darüber, ohne dass sofort Abwehr, Schuldgefühle oder Streit entstehen?

Konkret und in einem guten Moment, ohne Klischees und Vorwürfe. Sich selbst fragen, wovor man sich drückt und warum. Nicht ablenken mit "Ja aber dafür mache ich ja die Steuererklärung" - bestimmt, aber die ist auch viel komplexer als Abwaschen. Und viel seltener. Natürlich sind Vorlieben und Fähigkeiten verschieden und das ist auch gut so. Augenhöhe heißt ja nicht, dass man jede Alltagsaufgabe exakt 50:50 teilt. Sondern dass am Ende alle gleich viel Freizeit haben. Und Geld. "Ja aber..." - Nein. Ich meine das genau so.

Podcast-Tipp: Unser Experte Florian Hacke war auch schon mal Gast in unserem Papa-Podcast, hier geht's zum Gespräch:

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Du arbeitest viel mit Humor und Satire. Kann Humor helfen, solche Rollenbilder sichtbar zu machen — oder besteht auch die Gefahr, dass man ernste Ungleichheiten weglacht?

Beides, und das ist das Risiko meines Jobs. Humor macht das Muster sichtbar, aber er kann auch Ablasshandel sein: Ich lache über die Spülmaschinen-Nummer und muss dadurch nichts ändern, weil ich das ja gerade auf Insta geliked habe. Wenn ein Witz zur Entlastung wird statt zur Erkenntnis, hat er seinen Job nicht gemacht. Deswegen haue ich meinen Kopf bei den drölftausend lustig gemeinten Videos, wo Unfairness als Joke verkauft wird, auch regelmäßig auf die Tischkante.

Was wäre aus deiner Sicht ein realistischer erster Schritt für Väter, die nicht nur "helfen", sondern wirklich Verantwortung übernehmen wollen?

Hingucken und machen. Und nicht Zeit schinden mit "Frauen machen das aber auch!" Klar stimmt das, man braucht für Inkompetenz kein Y-Chromosom. Aber Männer erfinden sie sich häufiger selbst, Frauen wird sie systematisch unterstellt. Man kommt am Ende nicht umhin, den gleichberechtigten Familienalltag als Keimzelle der gesamtgesellschaftlichen Revolution zu betrachten.

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