Wer an Anti-Aging denkt, landet normalerweise im Badezimmer. Retinol, Seren und Kollagen – die Langhantel kommt in dieser Liste eher selten vor.
Vielleicht zu Unrecht, denn eine japanische Studie liefert Hinweise darauf, dass Krafttraining nicht nur Muskeln verändert, sondern möglicherweise auch Prozesse tief in deiner Haut beeinflusst.
Anti-Aging kommt nicht nur aus dem Badezimmerschrank
Um genau das zu untersuchen, begleitete ein Forschungsteam Frauen mittleren Alters über 16 Wochen. Von 56 Teilnehmerinnen lagen am Ende auswertbare Daten vor.
Eine Gruppe absolvierte regelmäßig Ausdauertraining. Die andere trainierte mit Gewichten. Nach 4 Monaten hatte sich bei beiden Gruppen die Hautelastizität verbessert. Interessanter wurde es allerdings beim Blick tiefer in die Haut: Nach dem Krafttraining hatte sich zusätzlich die Dermis verdickt – jene Hautschicht, die wie das tragende Gerüst deiner Haut funktioniert.
Hier sitzt ein großer Teil dessen, was Haut fest und belastbar hält: Unter anderem Kollagen und elastische Fasern. Damit betrifft der zusätzliche Effekt des Krafttrainings ausgerechnet eine Hautschicht, die für Festigkeit und Elastizität eine zentrale Rolle spielt.
Was deine Muskeln mit deiner Haut zu tun haben könnten
Der spannendste Teil der Geschichte spielt sich möglicherweise gar nicht allein in der Haut ab. Denn deine Muskulatur kann weit mehr, als dich durch Squats, Deadlifts oder den Alltag zu bringen. Muskeln bewegen schließlich nicht nur Gewichte. Sie kommunizieren.
Während des Trainings verändert sich ein ganzes Netzwerk aus Botenstoffen, über das die Muskulatur mit anderen Geweben im Körper in Kontakt steht. Das könnte erklären, warum dein Workout nicht dort aufhört zu wirken, wo der Muskel endet.
Auch nach dem Krafttraining beobachtete das japanische Forschungsteam Veränderungen verschiedener Signalstoffe im Blut. Im Labor verfolgte das Team diese Spur weiter und stieß dabei auf Prozesse, die am Aufbau der Hautmatrix beteiligt sein könnten. Dabei rückte unter anderem Biglycan in den Fokus – ein Bestandteil der extrazellulären Matrix, die der Haut Struktur gibt.
Somit gibt es eine plausible Spur dafür, wie Training und Haut miteinander kommunizieren könnten. Eine vollständig geklärte Wirkungskette vom Gewichtheben bis zur jüngeren Haut ist das allerdings noch nicht.
Krafttraining ersetzt keine Hautpflege
Und bevor jetzt die Tagescreme gegen Kurzhanteln getauscht wird: So weit sind wir nicht. Die Studie zeigte Veränderungen innerhalb der Hautstruktur. Ob die Teilnehmerinnen dadurch tatsächlich jünger aussahen, wurde nicht untersucht.
Außerdem war die Studie vergleichsweise klein und wurde ausschließlich mit Frauen durchgeführt. Wie groß der Effekt ist, wie lange er anhält und ob andere Personengruppen ähnlich reagieren, muss weitere Forschung klären.
Beim Krafttraining profitiert längst nicht nur deine Muskulatur
Krafttraining gehört inzwischen zu den am besten untersuchten Trainingsformen mit gesundheitlichem Nutzen überhaupt. Seine Effekte reichen weit über die Muskulatur hinaus: Muskeln, Knochen, Stoffwechsel – regelmäßiges Krafttraining hinterlässt an vielen Stellen im Körper Spuren.
Die Haut könnte dieses Bild nun um eine überraschende Facette erweitern.
Mit den Jahren laufen beide Entwicklungen ohnehin parallel: Muskelmasse geht leichter verloren, während auch die Haut ihre Struktur verändert. Ob Krafttraining an beiden Stellen gleichzeitig gegensteuern kann? Genau das wäre die spannende nächste Frage.
FAQ: Krafttraining und Haut – Das solltest du wissen
Dafür gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege. Die bisherige Forschung zeigt Veränderungen der Hautstruktur, nicht das Verschwinden bestehender Falten. Für sichtbares Anti-Aging lässt sich daraus also noch kein Versprechen ableiten.
Training verändert zahlreiche Botenstoffe und Stoffwechselprozesse im Körper. Die bisherige Forschung liefert Hinweise darauf, dass solche Signalwege auch Prozesse beeinflussen könnten, die für Aufbau und Struktur der Haut relevant sind.
In der japanischen Studie verbesserten beide Trainingsformen die Hautelastizität. Eine Verdickung der Dermis wurde jedoch ausschließlich nach Krafttraining beobachtet. Daraus lässt sich bislang aber nicht ableiten, dass Krafttraining grundsätzlich das „bessere“ Hauttraining ist.
Nein. Hautgesundheit hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem UV-Schutz, Schlaf, Ernährung, Rauchen, Genetik und dem natürlichen Alterungsprozess. Krafttraining könnte ein zusätzlicher Baustein für gesunde Haut sein, ersetzt diese Faktoren aber nicht.





