Über Erkrankungen am Penis wird kaum gesprochen – selbst unter Männern. Scham, Unsicherheit oder die Hoffnung, "dass es schon nichts Ernstes ist", sorgen dafür, dass Warnsignale oft ignoriert werden. Genau das macht Peniskrebs so gefährlich.
Denn obwohl diese Krebsform selten vorkommt, sind die Folgen gravierend, wenn sie spät erkannt wird. Die gute Nachricht: Wer informiert ist und rechtzeitig handelt, hat sehr gute Heilungschancen – und kann drastische Eingriffe verhindern.
Was ist Peniskrebs?
Peniskrebs – medizinisch Peniskarzinom – ist eine bösartige Neubildung der Penishaut. Meist entsteht sie an der Eichel oder im Bereich zwischen Penisschaft und -spitze. In rund 95 Prozent der Fälle handelt es sich um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom, eine Form von weißem Hautkrebs. Unbehandelt kann sich der Tumor auf umliegendes Gewebe, die Harnröhre oder über das Lymphsystem auf Lymphknoten in Leiste und Becken ausbreiten.
In Deutschland sind jährlich etwa 950 Männer betroffen. Zum Vergleich: Prostatakrebs tritt deutlich häufiger auf – dennoch ist Peniskrebs wegen der möglichen Folgen nicht weniger ernst zu nehmen.
Infobox: Anzeichen von Peniskrebs im Überblick Nicht jede Veränderung am Penis bedeutet Krebs. Trotzdem gilt: Alles, was neu ist, sich verändert oder nicht abheilt, sollte ärztlich abgeklärt werden. Zu möglichen Warnzeichen zählen verhärtete oder geschwollene Hautstellen an Eichel oder Vorhaut, schlecht heilende Wunden, nässende oder blutende Areale sowie Knötchen oder Geschwüre, die meist schmerzlos sind. Auch ein übel riechender Ausfluss oder geschwollene Lymphknoten in der Leiste können Hinweise sein – Letzteres oft bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.
Warum frühes Hinschauen entscheidend ist
Peniskrebs entwickelt sich meist langsam und verursacht anfangs kaum Beschwerden. Genau das führt dazu, dass viele Männer erst spät reagieren. Ein wichtiger Unterschied zu Infektionen: Peniskrebs ist häufig schmerzlos. Bleiben Veränderungen länger als zwei Wochen bestehen, solltest du nicht abwarten, sondern einen Urologen aufsuchen.
6 Ursachen und Risikofaktoren von Peniskrebs
Obwohl die Ursachen für Peniskarzinome noch größtenteils ungeklärt sind, gibt es einige Risikofaktoren, die damit in Zusammenhang stehen.
1. Höheres Lebensalter
Peniskrebs tritt häufiger bei Männern über 60 auf, kann aber auch deutlich früher entstehen.
2. Mangelnde Intimhygiene
Die Hygiene im Genitalbereich sollte kein Mann vernachlässigen. Denn es besteht ein Zusammenhang zwischen Peniskarzinomen und sogenanntem Smegma, also Vorhauttalg. Dieser soll die Eichel schützen, ist aber auch gleichzeitig ein geeigneter Nährboden für Bakterien, wenn du ihn nicht entfernst. Außerdem kann er die Entstehung von Tumoren begünstigen – noch ein Grund, sich regelmäßig untenrum zu waschen.
3. Vorhautverengungen (Phimose)
Hygiene ist auch bei Vorhautverengungen, sogenannten Phimosen, ein Problem. Wenn sich die Vorhaut nicht richtig zurückziehen lässt, wird Hygiene erschwert. Chronische Entzündungen treten häufiger auf – ein bekannter Risikofaktor. Beschnittene Männer sind seltener von chronischen Entzündungen betroffen, weil es auch nicht so häufig zu einer Smegma-Ansammlung kommen kann. [Link auf Container 353324]
4. HPV-Infektionen
Auch Humane Papilloma-Viren (HPV) stehen unter Verdacht, die Entstehung von Peniskarzinomen zu begünstigen. Besonders einige aggressive Untergruppen (die auch Genitalwarzen hervorrufen) werden damit in Verbindung gebracht.
5. Schleimhaut-Veränderungen
Manche Schleimhaut-Veränderungen gelten als Vorstufen von Peniskrebs und Plattenepithelkarzinomen – vor allem Leukoplakien. Du erkennst sie als weißliche Veränderungen der Schleimhaut.
6. Chronische Entzündungen
Ist deine Vorhaut oder Eichel oft entzündet? Auch das erhöht dein Peniskrebs-Risiko.
Wie gefährlich ist Peniskrebs?
Wird Peniskrebs früh erkannt, liegen die Heilungschancen bei etwa 70 bis 90 Prozent. In frühen Stadien kann der Tumor oft vollständig entfernt werden, ohne das Organ zu schädigen.
Problematisch wird es, wenn der Krebs bereits gestreut hat. Dann können Teil- oder Komplettamputationen notwendig werden, häufig verbunden mit Einschränkungen beim Wasserlassen oder der Sexualfunktion. Bei 1 bis 10 Prozent der Neuerkrankungen liegen bereits Fernmetastasen vor – diese gelten meist als nicht heilbar.
Wie wird Peniskrebs diagnostiziert und behandelt?
Besteht ein Verdacht, wird zunächst eine Gewebeprobe entnommen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT helfen festzustellen, ob Lymphknoten betroffen sind. Die Behandlung erfolgt in der Regel operativ.
Ziel ist immer, den Tumor vollständig zu entfernen und so viel gesundes Gewebe wie möglich zu erhalten. In fortgeschrittenen Stadien können zusätzlich Strahlen- oder Chemotherapien notwendig sein.
Wie lässt sich eine Amputation vermeiden?
Der wichtigste Schutz ist frühes Handeln. Im Anfangsstadium reichen oft kleinere Eingriffe oder Laserbehandlungen aus. Wer Veränderungen früh abklären lässt, erhöht die Chance deutlich, dass Funktion und Aussehen des Penis erhalten bleiben.
Was passiert nach einer Behandlung?
Auch nach einer erfolgreichen Therapie ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, da Peniskrebs erneut auftreten kann. In den ersten 2 Jahren nach der Entfernung des Tumors werden engmaschige Kontrollen empfohlen – in der Regel alle 3 Monate.
Je nach Operationsmethode und individuellem Risiko kann sich die Nachsorge über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren erstrecken. Die Untersuchungen dienen dazu, mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls schnell zu behandeln.
FAQ: Häufige Fragen zu Peniskrebs
Nein, ein spezielles Screening gibt es nicht. Bei Prostatauntersuchungen ab 45 Jahren werden die äußeren Genitalien jedoch meist mit untersucht.
Nein. HPV-Infektionen sind übertragbar, Krebs selbst jedoch nicht.
Beschnittene Männer haben ein geringeres Risiko, da Entzündungen seltener auftreten – ein vollständiger Schutz ist es aber nicht.
Ja: gute Intimhygiene, Schutz vor HPV (z. B. durch Impfung), Rauchverzicht und frühzeitige Abklärung von Veränderungen.





