Spazierengehen erlebt seit einigen Jahren ein echtes Comeback. Ob 10.000 Schritte, 12-3-30-Methode oder Walking-Pads im Büro: Immer mehr Menschen entdecken Gehen als effektive und gelenkschonende Form des Ausdauertrainings. Aus Japan kommt nun eine Methode, die deutlich strukturierter vorgeht und wissenschaftlich untersucht wurde. Die sogenannte japanische Geh-Methode – auch Interval Walking Training (IWT) genannt – kombiniert schnelle und langsame Gehphasen. Das Ziel: Die positiven Effekte eines Intervalltrainings nutzen, ohne laufen oder sprinten zu müssen. Studien zeigen, dass diese Methode die aerobe Leistungsfähigkeit verbessern, den Blutdruck senken und dem altersbedingten Verlust von Muskelkraft entgegenwirken kann.
Was ist die japanische Geh-Methode?
Die japanische Geh-Methode wurde von dem japanischen Forscher Dr. Hiroshi Nose und seinem Team entwickelt. Das Prinzip erinnert an klassisches Intervalltraining, nur dass beide Belastungsstufen gehend absolviert werden. Dabei wechseln sich jeweils drei Minuten zügiges Gehen mit drei Minuten lockerem Gehen ab.
So funktioniert die japanische Geh-Methode
Das Prinzip ist denkbar einfach: Du wechselst zwischen zügigem und lockerem Gehen. Dadurch entsteht ein Intervalltraining, das das Herz-Kreislauf-System stärker fordert als ein gewöhnlicher Spaziergang, ohne die Gelenke stark zu belasten.
Die schnellen Abschnitte sollten sich anstrengend anfühlen. Du kannst noch sprechen, längere Gespräche werden jedoch schwierig.
Warum die japanische Geh-Methode so interessant ist
Viele Menschen profitieren von Intervalltraining, können oder möchten jedoch nicht joggen. Gelenkprobleme, Übergewicht, ein niedriger Trainingsstand oder frühere Verletzungen machen klassische HIIT-Einheiten oft schwierig. Genau hier setzt die japanische Geh-Methode an: Sie kombiniert die Vorteile eines Intervalltrainings mit der Gelenkschonung des Gehens und ermöglicht dadurch effektive Trainingsreize, ohne Sehnen, Bänder oder Gelenke übermäßig zu belasten.
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Die Forschenden verglichen Intervall-Gehen mit kontinuierlichem Gehen sowie einer Kontrollgruppe ohne strukturiertes Training. Das Ergebnis: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Intervall-Gruppe verbesserten ihre aerobe Leistungsfähigkeit deutlich stärker, steigerten ihre Beinkraft und senkten ihren systolischen Blutdruck. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass intensives Intervall-Gehen dazu beitragen kann, altersbedingten Einbußen bei Ausdauer, Muskelkraft und Herz-Kreislauf-Gesundheit entgegenzuwirken.
Gerade diese Kombination aus wissenschaftlich belegter Wirksamkeit, einfacher Umsetzung und geringer Belastung macht die japanische Geh-Methode für viele Menschen zu einer attraktiven Alternative zu klassischem Lauf- oder Intervalltraining.
Infobox: Das steckt hinter IntervalltrainingIntervalltraining bedeutet, intensive Belastungsphasen mit aktiven Erholungsphasen abzuwechseln. Dadurch kann der Körper höhere Trainingsreize setzen als bei einer dauerhaft gleichmäßigen Belastung.
Welche Vorteile hat die japanische Geh-Methode?
Die positiven Effekte gehen weit über das reine Kalorienverbrennen hinaus.
- Verbesserung der Ausdauer: Durch die wiederholten Belastungsphasen wird das Herz-Kreislauf-System stärker gefordert als bei einem gewöhnlichen Spaziergang. Dadurch steigt die aerobe Leistungsfähigkeit.
- Blutdruck kann sinken: In der japanischen Studie sank insbesondere der systolische Blutdruck. Das macht die Methode auch für Menschen interessant, die ihre Herzgesundheit verbessern möchten.
- Mehr Kraft in den Beinen: Die schnellen Gehphasen beanspruchen die Muskulatur deutlich stärker als normales Spazierengehen. Besonders die Oberschenkelmuskulatur profitiert davon.
- Gelenkschonendes Training: Im Gegensatz zu Joggen entstehen deutlich geringere Stoßbelastungen. Das macht die Methode auch für ältere Menschen oder Personen mit Knieproblemen attraktiv.
- Leichter umzusetzen als Lauftraining: Viele Menschen fühlen sich von Laufprogrammen abgeschreckt. Gehen wirkt oft zugänglicher und lässt sich leichter in den Alltag integrieren.
Spazierengehen 2.0: Warum tägliche Schritte mehr sind als Bewegung
Wie schnell muss ich gehen?
Der wichtigste Punkt der Methode ist die Intensität. Während der schnellen Abschnitte solltest du etwa 70 bis 85 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz erreichen.
Maximale Herzfrequenz berechnen:
Eine einfache Faustformel lautet: 220 minus Lebensalter
Beispiel:
Ein 40-jähriger Mann sollte während der schnellen Gehphasen also ungefähr zwischen 126 und 153 Schlägen pro Minute liegen.
Keine Sportuhr dabei? Dann hilft die sogenannte Sprechprobe:
- Du kannst noch sprechen.
- Ganze Sätze fallen jedoch schwer.
- Die Belastung fühlt sich wie 7 bis 8 von 10 Punkten an.
Für wen eignet sich die japanische Geh-Methode?
Einer der größten Vorteile der japanischen Geh-Methode ist ihre Vielseitigkeit. Da sie ohne Laufen, Springen oder andere stoßintensive Bewegungen auskommt, eignet sie sich für viele Menschen – unabhängig von Alter oder Fitnesslevel.
Besonders profitieren können Einsteiger ins Ausdauertraining, Männer ab 40, Menschen mit Übergewicht sowie Personen, die aufgrund von Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen keine hochintensiven Sportarten ausüben möchten. Auch ehemalige Läufer, die nach einer Verletzung wieder in Bewegung kommen wollen, finden in der Methode eine gelenkschonende Alternative.
Gleichzeitig kann das Intervall-Gehen für alle interessant sein, die ihre Herz-Kreislauf-Fitness verbessern und ihre allgemeine Gesundheit fördern möchten. Wer allerdings unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt, die die Herzfrequenz beeinflussen, sollte vor Beginn des Trainings ärztlichen Rat einholen.
So integrierst du die Methode in deinen Alltag
Die japanischen Geh-Methode zeichnet sich außerdem durch ihre Einfachheit aus. Du brauchst weder Fitnessstudio noch spezielles Equipment. Ein Park, ein Waldweg, eine Laufbahn oder sogar ein Laufband reichen aus.
Plane einfach 30 Minuten ein und wechsle zwischen schnellen und lockeren Gehphasen. Bereits drei Einheiten pro Woche können ausreichen, um deine Ausdauer zu verbessern und dein Herz-Kreislauf-System stärker zu fordern als bei einem gewöhnlichen Spaziergang.
Besonders praktisch: Die Methode eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Menschen, die aufgrund von Gelenkproblemen oder Verletzungen nicht joggen möchten.
FAQ: Häufige Fragen zur japanischen Geh-Methode
Ideal sind drei bis fünf Einheiten pro Woche.
Ja. Die Methode erhöht den Kalorienverbrauch und verbessert die Fitness. Für nachhaltigen Fettverlust bleibt jedoch ein Kaloriendefizit entscheidend.
Für die Verbesserung der Ausdauer und Herz-Kreislauf-Fitness vermutlich ja. Normales Gehen bleibt dennoch gesund und sinnvoll.
Nein. Die Sprechprobe reicht für die meisten Menschen aus.
In Studien wurden bereits nach einigen Monaten deutliche Verbesserungen bei Ausdauer und Blutdruck festgestellt.





