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grünes Kreuz istockphoto

Gesund für Umwelt und Mensch So funktioniert ein "grünes" Krankenhaus

Eigentlich dreht sich am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) alles um die Gesundheit der Patienten. Doch das bedeutet nicht, dass man Ökologie vernachlässigen muss - im Gegenteil
Mann im Anzug
Frank Dzukowski: "Als wir 2011 begonnen haben, gab es zwar grüne Standards für Gebäude im Allgemeinen aber nicht speziell für Krankenhäuser. Die mussten wir erst entwickeln."

Das UKE ist nicht irgendein Krankenhaus. Es ist mit über 11.300 Mitarbeitern (davon 3.000 Ärzte und Wissenschaftler) eines der größten Deutschlands. Allein im Jahr 2018 wurden cirka 400.000 Menschen abmulant behandelt, die restlichen 100.000 stationär.  Es ist Vorreiter in vielen medizinischen Disziplinen. Unter anderem werden jährlich 2.400 Prostata-OPs an der Martini-Klinik durchgeführt, die zum UKE gehört. Damit ist man weltweit führend auf diesem für Männer besonders wichtigen Gebiet.

Ingenieur Frank Dzukowski ist spezialisiert auf den Bereich Medizintechnik. Er arbeitet als Prokurist bei Klinik Logistik & Engineering und ist zudem Geschäftsführer des Klinik Facility-Management. Im Interview erklärt er, wie das UKE versucht, grüne Pfade einzuschlagen. 

Wenn man als Besucher auf das Gelände kommt, sticht einem gleich die Fahrradwerkstatt ins Auge. Was hat es damit auf sich? 

Diese Werkstatt ist inzwischen eine Institution bei uns. Ungefähr ein Drittel aller UKE-Mitarbeiter kommt heutzutage mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Anteil ist deutlich höher als bei den meisten anderen Arbeitgebern. In der Fahrradwerkstatt herrscht viel Betrieb, da immer mal ein Reifen geflickt oder eine Bremse oder das Licht repariert werden muss. Zudem gibt es eine Lufttankstelle, an der man besonders schnell die Reifen aufpumpen kann. Darüber hinaus gibt es am UKE-Gelände 2 Stationen mit Leihfahrrädern von Stadtrad.

Wie kam es überhaupt dazu, dass aus dem UKE das grüne UKE wurde? 

Der damalige Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums, Professor Jörg F. Debatin, gründete im Jahr 2011 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, um die Entwicklung hin zu einem umweltfreundlichen Krankenhaus zu beschleunigen. In jenem Jahr wurde die Stadt Hamburg von der Europäischen Kommission mit dem Titel „Umwelthauptstadt Europas“ ausgezeichnet. Dieser Titel wird jedes Jahr an eine Stadt verliehen, der es in besonderer Weise gelingt, Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum miteinander zu verbinden. 

Das Klinikum besitzt seit 2014 ein Blockheizkraftwerk, mit dem rund ein Drittel des Strombedarfs der Klinik gedeckt wird. Warum ist das besser als ein normales Kraftwerk? 

Herkömmliche Kraftwerke besitzen einen Wirkungsgrad von 45 bis 50 Prozent. Das bedeutet, gut die Hälfte der Energie, die bei der Erzeugung des Stroms entsteht, verpufft ungenutzt, größtenteils in Form von Wärme. Im Blockheizkraftwerk des UKE hingegen, werden 90 Prozent der entstehenden Energie tatsächlich genutzt. Fast die gesamte Wärmeenergie geht in das Krankenhaus. So wird etwa der Dampf über die Motorabwärme erzeugt und für die Sterilisation und die Raumbefeuchtung verwendet. Erwärmtes Kühlwasser wird genutzt, um Räume zu heizen und kann – falls nötig – umgekehrt in eine Kühlung der Operationssäle umgewandelt werden. 

Was ist bei einem Krankenhaus anders als bei sonstigen Gebäuden? 

Als wir 2011 begonnen haben, gab es zwar grüne Standards für Gebäude im Allgemeinen, aber nicht speziell für Krankenhäuser. Diese mussten wir erst selbst entwickeln, und sie hatten gro- ßen Einfluss auf die Gestaltung des neuen Hauptgebäudes. Dieses Haus beansprucht weniger Fläche durch Verdichtung klinischer Funktionen und bietet dennoch Vorteile wie mehr Tageslichtverfügbarkeit für Patienten und Mitarbeiter. Sich wohlzufühlen hilft den Patienten bei der Genesung, das Personal verfügt über eine höhere Arbeitsqualität, und auch für Besucher ist die höhere Lebensqualität spürbar. 

Welche Maßnahmen sind außerdem wichtig für das grüne Krankenhaus? 

Weniger auffällig, aber sehr weitreichend sind zum Beispiel die Veränderungen in der Informationstechnologie. Dazu gehört die elektronische Patientenakte, die das UKE als erste Uniklinik in Europa flächendeckend eingeführt hat. Dank ihr spart die Klinik jedes Jahr 100 Tonnen Papier. Das entspricht umgerechnet 2500 Bäumen. Auch ein fortschrittliches Druckermanagement gehört zu den IT-Maßnahmen. Moderne Drucker sind wesentlich energieefzienter als ältere Geräte. Damit lassen sich jährlich 200 Megawattstunden Strom sparen. 

Wie ist die Resonanz von anderen Kliniken? Wird das Modell nachgeahmt? 

Bei Vorträgen und Kongressen stößt das Thema auf viel Interesse. Es gibt in Deutschland rund 2000 Kliniken, und alle befnden sich im Aufruch. Weil die Energiekosten rund 1 bis 3 Prozent des Umsatzes eines Krankenhauses ausmachen, ist ein grüner Wandel allein aus wirtschaftlicher Sicht bereits wichtig. Es geht einerseits um Umweltschutz, aber andererseits auch darum, Milliardenbeträge einzusparen. 

Sicherlich funktioniert nicht jede Veränderung auf Anhieb. Bei welchen Maßnahmen gibt es am ehesten Akzeptanzprobleme unter den Mitarbeitern? 

Die gibt es individuell bei jeder Aufforderung zur Verhaltensänderung – sowohl beim angemessenen Heizen oder Lüften, aber auch beim Licht ausschalten. Zu erwähnen ist, dass gerade Chefärzte nach der Aufforderung sich oft als Vorbilder zeigen. Eine der noch für die Zukunft vorgesehenen Maßnahmen, ist die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Lampen. Dies wird den Stromverbrauch deutlich senken, selbst wenn jemand mal vergisst, das Licht auszuschalten.

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