Der Airfryer gilt längst nicht mehr nur als TikTok-Hype, sondern für viele auch als die gesündere Alternative zur klassischen Fritteuse. Schließlich braucht die Heißluftfritteuse deutlich weniger Öl, spart dadurch Kalorien ein und sorgt trotzdem für knusprige Ergebnisse. Klingt zunächst nach der perfekten Lösung für alle, die bewusster essen möchten – und tatsächlich kann ein Airfryer dabei helfen, fettärmer zu kochen und Makros besser im Blick zu behalten.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn rund um die Heißluftfritteuse kursieren zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten. Macht ein Airfryer wirklich jedes Gericht automatisch gesünder? Entstehen beim Heißluftfrittieren keine schädlichen Stoffe? Und sind Airfryer-Pommes wirklich "healthy"?
Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an. Denn auch im Airfryer können stark verarbeitete Lebensmittel, zu hohe Temperaturen oder eine zu dunkle Bräunung problematisch werden. Vor allem bei stärkehaltigen Lebensmitteln kann sich bei starker Erhitzung beispielsweise Acrylamid bilden, ein Stoff, den du möglichst vermeiden solltest.
Wie funktioniert ein Airfryer?Der Airfryer funktioniert im Grunde wie ein kleiner Umluftofen mit besonders intensiver Heißluftzirkulation. Die Lebensmittel liegen dabei in einem Korb, sodass die heiße Luft sie von allen Seiten umströmen kann. Dadurch werden Speisen schnell gegart und bekommen eine knusprige Oberfläche, oft mit deutlich weniger Fett als beim klassischen Frittieren. Im Airfryer lassen sich von Pommes und anderen Snacks über Gemüse bis hin zu Eiweßquellen wie Hähnchen oder Lachs die verschiedensten Lebensmittel zubereiten.
8 Airfryer-Mythen aufgedeckt: Was die Heißluftfritteuse wirklich kann (und was nicht)
Bei all den Versprechen, die rund um den Airfryer auf Social Media kursieren, verliert man schnell den Überblick. Hier erfährst du, welche Airfryer-Mythen wirklich stimmen, welche eher Marketing sind und worauf du bei der Nutzung achten solltest.
1. "Mit dem Airfryer ist alles automatisch gesund"
Das ist wahrscheinlich der größte Mythos überhaupt. Nur weil weniger Öl verwendet wird, werden Pommes, Nuggets und Co. nicht automatisch "healthy". Zwar lassen sich durch den Airfryer Fett und somit Kalorien sparen, aber Salz, stark verarbeitete Zutaten oder Panaden bleiben oft ähnlich problematisch. Sind Lebensmittel aus dem Airfryer also gesünder als aus der klassischen Fritteuse, bei der mit Fett gearbeitet wird? Definitiv. Sind sie deshalb direkt gesund? Das kommt immer noch drauf an, was im Airfryer landet.
Gemüse wie Brokkoli, Zucchini oder Karotten wird darin knusprig und bleibt gleichzeitig nährstoffreich, ganz ohne oder mit nur wenig Fett. Durch das Volumen und die Ballaststoffe liefert es zudem viel Sättigung bei wenigen Kalorien, was besonders beim Abnehmen hilfreich sein kann. Auch Kartoffeln profitieren von der Zubereitung im Airfryer: Sie werden mit deutlich weniger Öl zubereitet als in der Fritteuse und dadurch kalorienärmer. Gleichzeitig lässt sich die Bräunung besser kontrollieren, was im Vergleich zum klassischen Frittieren die Bildung von unerwünschtem Acrylamid reduzieren kann.
Bei proteinreichen Lebensmitteln wie Hähnchen sorgt der Airfryer für eine fettarme Zubereitung, ohne dass das Fleisch trocken wird. Und selbst Snacks wie gewürzte Kichererbsen zeigen, dass er sich auch für sättigende, proteinreiche Alternativen eignet.
Stark verarbeitete Produkte wie Tiefkühl-Pommes, Chicken-Nuggets oder panierte Snacks kannst du dir natürlich trotzdem hin und wieder mal gönnen, allerdings bleiben sie auch im Airfryer oft reich an Salz, Zusatzstoffen und gesättigten Fetten und werden somit nicht wie durch ein Wunder zu gesunden Lebensmitteln. Schließlich ändert die Zubereitungsmethode nichts an der Grundqualität des Lebensmittels.
2. "Airfryer-Pommes haben kaum Kalorien"

Direkt der nächste Mythos: Viele denken, Heißluftfrittieren mache Pommes kalorienarm. Und ja, natürlich bedeutet weniger Fett auch weniger Kalorien. Die Kartoffeln selbst bleiben allerdings trotzdem ein energiereiches Lebensmittel. Zudem solltest du beachten, dass Fertigpommes, wie solche aus der Tiefkühlabteilung meist bereits Öl enthalten. Der Unterschied entsteht also weniger durch die Kartoffel selbst, sondern vor allem durch die Zubereitungsart und die Menge an zusätzlichem Fett. Dadurch, dass du im Airfryer mit weniger Fett arbeiten kannst, werden die Pommes also deutlich kalorienärmer, aber dennoch nicht automatisch kalorienarm.
Gerade deshalb lohnt es sich, Pommes eher selbst zuzubereiten als auf Fertigprodukte zurückzugreifen. Frische Kartoffeln lassen sich im Airfryer mit etwas Öl oder sogar ganz ohne Fett zubereiten und du hast volle Kontrolle über Zutaten, Salz und Ölmenge. Hier ein kleiner Vergleich, wie viel sich bei fertigen TK-Pommes vs. selbstgemachten Pommes je nach Zubereitung konkret sparen lässt:
Die angegebenen Nährwerte basieren auf Durchschnittswerten aus dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) für 200g TK-Pommes und Kartoffeln sowie typischen Fettmengen bei der Zubereitung im Backofen und im Airfryer und dienen als grobe Orientierung. Während die Kartoffeln selbst rund 200 kcal und kaum Fett enthalten, entsteht der größte Unterschied durch das zusätzlich verwendete Öl.
Im Backofen werden für knusprige selbstgemachte Pommes in der Regel etwa 1 Esslöffel Öl (ca. 12 g Fett) benötigt, während im Airfryer meist schon 1 Teelöffel ausreicht. Dadurch fällt die Fett- und Kalorienaufnahme deutlich geringer aus. Wie du siehst, sind die selbstgemachten Pommes aus dem Airfryer die kalorienärmste Variante, dennoch sind sie nicht "kalorienfrei". Am meisten Fett und Energie lässt sich bei fertigen Produkten sparen, dennoch sind sie weniger gesund als die selbstgemachte Variante.
Auch eine wissenschaftliche Untersuchung, die 2017 im European Journal of Lipid Science and Technology veröffentlicht wurde, bestätigt diesen Effekt: Hier wurden im Schnitt etwa 70 Prozent weniger Fett bei Kartoffeln aus dem Airfryer festgestellt, während sie geschmacklich ähnlich bewertet wurden wie die herkömmlich frittierten Varianten.
3. "Den Airfryer muss man nicht reinigen"

Viele unterschätzen, wie wichtig die regelmäßige Reinigung der Heißluftfritteuse wirklich ist, vor allem, weil das Gerät von außen oft noch sauber wirkt. Aber der Schein trügt. Fett- und Krümelreste können sich schnell im Korb, am Heizelement, oder in den Lüftungsschlitzen ansammeln, auch wenn man sie auf den ersten Blick kaum sieht. Werden diese Rückstände nicht entfernt, können sie bei der nächsten Nutzung verbrennen. Das führt nicht nur zu Rauchentwicklung und unangenehmen Gerüchen, sondern kann auch den Geschmack der Speisen beeinträchtigen und langfristig die Leistung des Geräts verschlechtern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene im Umgang mit Fettablagerungen. Wird altes Fett immer wieder erhitzt, können sich dabei unerwünschte Verbindungen bilden, darunter auch Transfettsäuren. Diese stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel (das "schlechte" Cholesterin) und einem gesenkten HDL-Cholesterinwert (das "gute" Cholesterin). Leere also den Korb deines Airfryers nach jeder Nutzung und reinige ihn gründlich.
4. "Wenn ich einen Airfryer habe, brauche ich keinen Backofen"
Bei vielen hat sich der Airfryer als Lieblingsgerät in der Küche etabliert, da er Snacks und kleinere Gerichte oft schneller und knuspriger zubereitet als der klassische Backofen. Daraus entsteht leicht der Eindruck, er könne den Ofen komplett ersetzen. Trotzdem hat auch der Airfryer seine Grenzen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man sein Füllvolumen betrachtet: Technisch gesehen ist der Airfryer zwar ein kleiner Umluftofen mit stärkerer Luftzirkulation, weshalb er bei der Zubereitung von kleineren Mengen eine effizientere Lösung darstellen mag - kochst du allerdings für viele Personen, erreicht er schnell sein Limit. Während du im Ofen mehrere Bleche gleichzeitig, oder große Aufläufe backen kannst, geht das im Airfryer nicht.
Auch bei der Zubereitung gibt es Unterschiede, so lassen sich Temperaturen und Garzeiten nicht einfach 1:1 vom Backofen übernehmen. Durch die intensive Heißluft bräunen Lebensmittel im Airfryer oft deutlich schneller. Gerade größere Fleischstücke können außen bereits dunkel sein, obwohl sie innen noch nicht vollständig gegart sind.
Zusammengefasst gilt also, dass du den Airfryer eher als Ergänzung zum Backofen verstehen solltest und es Sinn macht, je nach Gericht und Portionsmengen weiterhin beide Geräte zu nutzen.
5. "Je brauner und knuspriger, desto besser!"
Das gilt nur bis zu einem gewissen Punkt, denn egal ob du dein Essen im Ofen oder im Airfryer garst, es gilt überall, dass beim zu starken Überbräunen von stärkehaltigen Lebensmitteln wie Pommes oder Toast Acrylamid entstehen kann. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dieser Stoff als potenziell krebserregend gilt und zudem nerven- sowie zellschädigende Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann. Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entsteht Acrylamid insbesondere dann, wenn stärkehaltige Lebensmittel trocken und bei hohen Temperaturen erhitzt werden. Verantwortlich dafür ist die sogenannte Maillard-Reaktion, die zwar für die typische Bräunung und Röstaromen sorgt, gleichzeitig aber auch die Bildung von Acrylamid begünstigen kann.
Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt in ihrem Gutachten für die Risikobewertung von Acrylamid vor dem Stoff und weist darauf hin, dass er bei Temperaturen ab 120 Grad entstehen kann. Da Airfryer mit sehr intensiver Heißluft arbeiten, können Lebensmittel schneller bräunen, weshalb man hier besonders aufpassen sollte. Sowohl für den Ofen als auch für den Airfryer gilt also, dass lieber moderate Temperaturen verwendet werden sollten und man während des Garens regelmäßig das Essen kontrollieren und wenden sollte, um die Lebensmittel eher goldgelb statt dunkelbraun zu genießen.
6. "Im Airfryer braucht man gar kein Öl"
Viele verzichten komplett auf Öl, weil sie denken, das sei automatisch besser. Dabei kann hochwertiges Öl ...
- den Geschmack verbessern (Fett ist ein essenzieller Träger von Geschmack und Aroma in Lebensmitteln)
- die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K fördern
- für bessere Konsistenz sorgen
Du solltest Öl also nicht komplett verteufeln, sondern nur darauf achten, es in Maßen zu verwenden. Hier siehst du, wieviele Kalorien Fett wirklich enthält - und wie viel sich bereits einsparen lässt, wenn du durch die Zubereitung im Airfryer die Fettmenge reduzierst anstatt sie komplett zu eliminieren:
So viel Energie liefert FettFett liefert mit rund 9 kcal pro Gramm deutlich mehr Energie als Kohlenhydrate oder Proteine (jeweils ca. 4 kcal pro Gramm). Das bedeutet: Schon kleine Mengen können in deiner Kalorienbilanz einen deutlichen Unterschied machen.
Zur Orientierung: 1 Teelöffel Öl enthält etwa 40–45 kcal, während 1 Esslöffel Öl etwa 90–120 kcal liefert. Im Airfryer reichen oft schon wenige Tropfen oder ein dünner Film, um Geschmack und Ergebnis zu perfektionieren. Ein Ölsprüher kann dabei helfen, die reduzierte Fettmenge auf den Lebensmitteln gut zu verteilen.
7. "Airfryer-Essen enthält weniger Fett – also kann ich ohne Bedenken zuschlagen"
So viel essen wie du willst, ohne zuzunehmen, kannst du leider auch nicht mit dem Airfryer. Zwar enthält im Airfryer zubereitetes Essen in der Regel deutlich weniger zusätzliches Fett als klassisch Frittiertes, doch daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass die Portionsgröße komplett egal ist. Denn der entscheidende Faktor für die Energiebilanz bleibt die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien, unabhängig davon, wie das Gericht zubereitet wurde.
Gerade bei beliebten Airfryer-Gerichten wie Pommes, Snacks oder Teigwaren wird der Gesundheitswert von den "leichteren" Alternativen oft überschätzt, weshalb größere Portionen verzehrt werden und sich die Kalorien am Ende des Tages trotzdem summieren. Besonders diejenigen, die abnehmen, oder ihr Gewicht halten möchten, sollten ihre Kalorien also dennoch im Blick behalten.
8. "Jedes Gemüse wird im Airfryer knusprig"

Der Airfryer hat den Ruf, Gemüse besonders knusprig und aromatisch zuzubereiten und tatsächlich gelingt das bei vielen Sorten sehr gut. Trotzdem funktioniert das nicht bei jedem Gemüse automatisch.
Wie knusprig das Ergebnis wird, hängt stark von der Sorte, dem Wassergehalt und der Vorbereitung ab. Gemüse mit viel Feuchtigkeit wie Zucchini oder Pilze wird eher weich statt richtig crispy. Deutlich besser eignen sich Gemüsesorten mit fester Struktur wie Kartoffeln, Karotten oder Brokkoli.
Gerade Brokkoli ist ein gutes Beispiel: Richtig zubereitet wird er im Airfryer außen leicht knusprig und innen gut bissfest. So gelingt er im Airfryer:
- Teile den Brokkoli in kleine Röschen und trockne ihn gut
- Besprühe ihn mit etwas Öl und würze ihn mit Salz, Pfeffer und optional Knoblauchpulver
- Gare ihn im Airfryer bei etwa 180–200 °C für 8-12 Minuten
- Zwischendurch gut schütteln und wenden, et voilà: schon fertig!





