COVID-19
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Corona-Virus Homöopathie / Globuli Chamille White / Shutterstock.com

Corona-Virus und Homöopathie Warum Homöopathie und Globuli gegen Covid-19 nutzlos sind

Mit Globuli gegen eine Pandemie? Das klingt lustig, ist aber sehr ernst. Im Interview erläutert eine Ärztin, warum in der jetzigen Lage Pseudomedizin nutzlos und sogar gefährlich ist

Was nützen homöopathische Globuli wie Arsenicum album C30 gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus?

Na, nichts. Und doch wird sowas von Homöopathen empfohlen. Zunächst muss man sagen, dass es sich bei Arsenicum album um Arsen handelt, also eigentlich ein Gift. Das ist aber so stark verdünnt, dass es quasi nicht mehr in den Globuli enthalten ist. Die Einnahme ist also bestenfalls nutzlos. Gefährlich wird ein solcher Rat, wenn die betreffenden Ärzte dabei viel wichtigere Hinweise unterlassen, wie etwa drauf, dass regelmäßiges Händewaschen vor dem Corona-Virus viel besser schützt. Das ist dann schon grob fahrlässig.

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Was für andere homöopathische Behandlungsmethoden gegen Covid-19 gibt es noch?

Da gibt es so viel, und nichts wirkt. Einige empfehlen ein "Löschen der Zellinformation" um das Virus zu "resetten". Was auch immer das heißen soll. Da gibt es Präparate mit Holunderextrakt und Schwarzer Johannisbeere, die angeblich vor dem Virus schützen sollen. Andere empfehlen Bärlauch, um die "Corona-Grippe" zu heilen. Selbst ernannte Naturheiler vertreiben "Virenschutzsymbole", die man sich auf die Haut malen soll. Es ist bizarr.

Dorothée Piroelle
Dr. med. Natalie Grams ist Ärztin und klärt über die Schwächen der Homöopathie auf. Ihr Buch "Was wirklich wirkt - Kompass durch die Welt der sanften Medizin" (Aufbau Verlag, 18 Euro) hilft dir, dich im Bereich der sanften und alternativen Heilmethoden zu orientieren.

Warum glauben und kaufen Menschen so etwas?

Es gibt offenbar einen großen Wunsch, selbst etwas zu tun. Und eine sehr große Gutgläubigkeit. Vielleicht steckt auch dieses Geheimwissen-Ding dahinter, also das Gefühl: Niemand weiß, was jetzt das Richtige ist, aber ich habe die Lösung. In Notsituationen ist die Sehnsucht nach einer einfachen schnellen Lösung immer groß, und wenn das dann von einer Ärztin empfohlen wird. Auch ein ganz doofes, oft gehörtes Argument: "Schaden kann's ja nicht". Kann es in dem Fall, wenn ich Globuli schlucke, aber aufs Händewaschen verzichte, nämlich doch.

Oft werden Homöopathie und Naturheilkunde inhaltlich vermischt. Wo liegt der Unterschied?

Aus der Natur können sehr wohl heilende Wirkstoffe kommen, man denke nur an den Fingerhut, der Herzglykoside enthält, die bei Herzschwäche sehr erfolgreich verabreicht werden. Insofern ist die Naturheilkunde absolut sinnvoll. In der Homöopathie aber werden Wirkstoffe so weit verdünnt, dass sie nicht mehr nachweisbar sind. Und ein Wirkstoff in Abwesenheit kann keine Wirkung entfalten.

Ich bin auch gar nicht gegen alternative Heilmethoden und Behandlungsansätze, solange ihre Wirksamkeit belegt ist. Sogar beim Yoga sind gesundheitsförderliche Wirkungen wissenschaftlich nachweisbar. Solche Studien gibt es zu Globuli nicht.

Kann Homöopathie bei einer Epidemie wie Covid-19 irgendwie nützen?

Nein. Es gibt diesen Satz, der mittlerweile ein geflügeltes Wort ist: Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Und der Placebo-Effekt wird uns gegen Covid-19 nichts nützen. Die Homöopathie bekommt in dieser Pandemie keinen Punkt.

Ich halte es sogar für gefährlich, den Menschen einzureden, sie bräuchten keine Schulmedizin. Es gibt Leute, die leugnen sogar, dass es überhaupt Corona-Viren gibt.

Corona-Virus Homöopathie / Laufen
baranq / Shutterstock.com
Beste natürliche Stärkung der Immunabwehr, ganz ohne Pillen: Sport an der frischen Luft.

Andere verharmlosen Covid-19 immer noch als Grippe, gegen die unsere Abwehrkräfte genügen...

Ja, schlimm. Natürlich wird unser Körper mit fast 80 Prozent aller Erkrankungen allein fertig, die Zahlen sind bei Corona-Infektionen ja ähnlich. Aber so etwas nicht mit dem Arzt abzuklären, ist keine Option. Nicht nur, weil es zu einem schweren Verlauf kommen könnte, sondern weil wir auch eine Verantwortung haben, unsere Mitmenschen nicht anzustecken.

Die Homöopathie preist gern die Selbstheilungskräfte des Körpers, das Stärken der körpereigenen Abwehr. Ist da nichts dran?

Oh, doch. Sehr viel sogar. Darum geht es ja auch in meinem Buch, dass es eben auch sanfte Wege gibt, gesund zu leben. Ich kann mich gesund ernähren, achtsam leben, an die frische Luft gehen, mich bewegen, Sport treiben.

Besonders Sport ist als Vorbeugung gegen Infekte und Stärkung der Abwehrkräfte sehr wirksam. Das alles sorgt dafür, dass mein Körper sich auch gegen ein Corona-Virus zur Wehr setzen kann. Aber dafür brauche ich ja letztlich keine Homöopathie. Das kann ich selbst.

Homöopathen nehmen sich angeblich mehr Zeit für Patienten. Wie wirkt sich das aus?

Es ist absolut wichtig, dass sich Mediziner Zeit für ihre Patientinnen und Patientinnen nehmen. Es ist durch Studien belegt, dass allein die "Droge Arzt" schon die Heilung beeinflussen kann, sprich: seine Anwesenheit, die Zeit, die er sich nimmt. Das gilt besonders, wenn auch die Beschwerden zum Teil psychosomatisch bedingt sind. Insofern bin ich sehr dafür, dass es für Ärzte Möglichkeiten geben muss, mehr Zeit mit ihren Patientinnen zu verbringen und das auch abzurechnen.

Corona zeigt uns aber gerade, dass das Argument Zeit nicht reicht, um medizinische Versorgung sicherzustellen. Wir sehen gerade, wie wichtig eine faktenbasierte Medizin ist. Wir erleben, wie aufgeschmissen die Menschen ohne Intensivmedizin wären.

Sollten Globuli ganz aus den Apotheken verschwinden?

Nein, von mir aus können sie bei den Halsbonbons liegen. Sie sollten nicht mehr als Arznei verkauft werden. Und sie sollten nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. In der Gesundheitsversorgung geht es sonst immer danach, dass nur verschrieben werden kann, was durch Studien abgesichert wirksam ist und einen Nutzen hat. Nur bei der Homöopathie gibt es diese Ausnahme. Das kritisiere ich.

Um das noch einmal zu sagen: Ich engagiere mich nicht gegen die Homöopathie. Ich bin nur dagegen, dass sie als Medizin betrachtet wird, solange sie gänzlich anderen Regeln folgt als die evidenzbasierte Medizin.

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