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Cave Syndrom: Wenn man trotzt gelockerter Corona-Maßnahmen Angst hat, sein Zuhause zu verlassen Prostock-studio / Shutterstock.com

Cave-Syndrom: So traust du dich wieder raus

Cave-Syndrom Wenn es schwerfällt, in den Vor-Corona-Modus zurückzufinden

8 Tipps, die helfen, wenn du trotz gelockerter Social-Distancing-Maßnahmen Angst hast, dein Zuhause zu verlassen

Die Rückkehr in eine Vor-Corona-Zeit hat trotz wieder steigender Infektionszahlen wieder begonnen: In den Clubs wird wieder gefeiert, in Bars und Restaurants kann man wieder Freunde treffen und Kinobesuche und Konzerte finden statt. Mit Vorsichtsmaßnahmen und strengen Hygieneregeln, klar, aber immerhin!

Doch während viele das Ende des strengen Social Distancings genießen, fühlt sich das Ende der erzwungenen Isolation für eine Vielzahl von Menschen beängstigend an. Was es mit diesem Cave-Syndrom auf sich hat und wie du es überwindest, erklären wir hier.

Was ist das Cave-Syndrom überhaupt?

Vom Cave-Syndrom Betroffene fällt es schwer, nach einer längeren Zeit des sozialen Rückzugs, zurück in die Normalität mit vielen zwischenmenschlichen Kontakten zu finden. Das kann zum Beispiel nach längerer Krankheit, wochenlangem Krankhausaufenthalt passieren, oder aktuell durch die Corona-Pandemie bedingten Lockdowns und Kontaktbeschränkungen.

Wer sich jetzt, geimpft und nach Lockerung der Beschränkungen, immer noch nicht aus der sicheren "Höhle" (englisch: cave) seiner Wohnung heraus traut, kann seine erlernte Angst, dass das Zusammentreffen mit anderen Menschen seiner Gesundheit gefährlich werden kann, nicht so einfach wieder ablegen – er oder sie haben ein Cave-Syndrom entwickelt. Eine wirkliche Krankheit im klinischen Sinne ist es jedoch nicht, Psychologen sprechen eher von einer Anpassungsverzögerung.

Doch die betrifft erstaunlich viele Menschen. In einer Studie vom Februar 2021 der American Psychological Association gaben 46 Prozent der befragten Erwachsenen an, sich unwohl zu fühlen, zu ihrem vor-pandemischen Alltag zurückzukehren. 49 Prozent gaben zu, dass ihnen die Vorstellung schwerfalle, künftig wieder zwischenmenschliche Nähe zuzulassen.

Und das betrifft nicht nur ältere Menschen, im Gegenteil: Untersuchungen des Instituts für Generationenforschung in Augsburg ergaben, dass 8 Prozent der 26- bis 39-Jährigen ihren Pandemie-Alltag am liebsten weiterführen würden. Zum Vergleich: Bei den über 56-Jährigen gaben das nur knapp 7 Prozent an.

Wie erkenne ich, ob ich unter dem Cave-Syndrom leide?

Nachdem du seit Monaten in der Öffentlichkeit Maske trägst, gelernt hast, Menschen wenig und wenn nur auf Distanz zu begegnen, ist es völlig normal, wenn du jetzt die Nähe zu anderen erst einmal befremdlich findest. Schließlich haben wir in der Corona-Pandemie gelernt, dass der Kontakt zu anderen ein großes gesundheitliches Risiko bergen kann, oder wir durch eine Covid-19-Infektion andere Menschen in unserer Umgebung gefährden können. Auch ist die Gefahr trotz der wachsenden Zahl der Geimpften bei weitem noch nicht gebannt.

Soziale Distanz ist uns in den letzten eineinhalb Jahren zur Gewohnheit geworden. Und Gewohnheiten zu durchbrechen, das dauert halt seine Zeit. Deshalb leiden viele von vorübergehend an einem Cave-Syndrom.

Aber erst wenn man nicht nur anfangs unter Menschen "fremdelt", sondern sich gar nicht mehr aus seinem "Schneckenhaus" zurück ins Leben traut, spricht man vom manifesten Cave-Syndrom.

"Meist sind das Menschen, die vorher auch schon nicht so viel Kontakte gesucht haben", erklärt Psychologin Ilona Bürgel, "Durch die Pandemie hat man ja nicht völlig seine Persönlichkeit verändert. Das heißt, Dinge, die einem vor der Pandemie leichter oder schwerer fielen, haben sich jetzt womöglich verstärkt."

Wie verschwindet das Cave-Syndrom wieder?

In der Regel verschwindet es von allein, denn der Mensch ist ja ein lernfähiges Wesen. Indem wir langsam unsere Routine wieder umstellen und Kontakte und Nähe zulassen – wenn auch immer noch unter Sicherheitsvorkehrungen wie Maske tragen, regelmäßig Hände waschen und Abstand halten – werden die meisten ihre Hemmungen und Ängste überwinden.

Wem es schwer fällt, seine Gewohnheiten zu ändern, helfen diese Tipps, um das Corona-Syndrom in den Griff zu bekommen:

  1. Starte langsam: Triff dich anfangs mit einer Freundin / einem Freund draußen zu einem Spaziergang oder trinkt unter einem Heizstrahler oder in der Sonne draußen einen Kaffee. Erst wenn sich das wieder richtig anfühlt, solltest du Indoor-Verabredungen in Restaurants oder im Kino planen. Und auch da kann man "sanft" starten, zum Beispiel, indem du Zeiten auswählst, zu denen wenig Betrieb ist, um 15 Uhr im Restaurant zum Beispiel.
  2. Definiere Ziele: "Plane konkret deine nächsten Aktivitäten, und zwar in kleinen Schritten", rät Psychologin Bürgel, "Also zum Beispiel, dich nächste Woche einmal, in der Woche darauf zweimal zu verabreden. Lege fest, wo und wie lange die Treffen stattfinden sollten." So findest du langsam aus deiner Höhle hinaus.
  3. Vergleiche dich nicht: Unternehme nur, was sich für dich gut anfühlt, auch wenn Freunde und Familienmitglieder meinen, du müsstest wie sie mehr unternehmen. "Bleib stark und fordere auch nichts von dir, was du vor der Pandemie auch nicht gemacht hättest", rät Buchautorin Bürgel (Die Schokolade vor meiner Haustür: Wahre Kurzgeschichten über Glück in bewegten Zeiten).
  4. Wäge dein Risiko ab: Wenn du eine chronische Krankheit hast oder aus anderen Gründen zu einer Risikogruppe gehörst, solltest du dich ohne Maske nur draußen und mit geimpften oder getesteten Freunden treffen. Sprich mit deinem Arzt darüber.
  5. Bleib informiert, aber lass dich nicht ängstigen: Wer unter dem Cave-Syndrom leidet, sollte selbstverständlich Up-to-date sein über die neuesten Entwicklungen der Corona-Pandemie. Aber nicht wahllos und dauernd. "Wähle nur seriöse Quellen, um dich zu informieren, und das auch nur ein oder zweimal pro Tag", rät Bürgel. Zu viele und sensationsheischende Informationen verstärken nur deine Ängste.
  6. Sprich über deine Ängste: Erzähle den Menschen in deiner Umgebung, dass es dir trotz der zurückgefahrenen Corona-Maßnahmen schwerfällt, dich aus deiner inneren Höhle heraus zu trauen, sonst fühlen sie sich möglicherweise verletzt. Erkläre ihnen das Cave-Syndrom.
  7. Justiere dein Leben neu: Einige Menschen haben während der Pandemie festgestellt, dass es ihnen guttut, mehr Zeit allein und zuhause zu verbringen. Vielleicht hast ja auch du jetzt erst gemerkt, wie sehr dir dein stets voller Terminkalender geschadet hat. Dann akzeptiere das, es ist völlig okay.
  8. Such dir Hilfe: Nicht immer steckt ein vorübergehendes Cave-Syndrom hinter einem sozialen Rückzug. Eine in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichten Studie kommt zu dem Schluss, dass durch die Pandemie weltweit 52 Millionen Menschen mehr an einer schweren depressiven Störung und 76 Millionen mehr an Angstzuständen leiden als es ohne der Fall gewesen wäre. Das sollte jeder Mann über Depressionen wissen. Wenn also deine Schwierigkeiten anhalten und sich womöglich verschlimmern, zögere nicht zu lange, dir bei einer Ärztin oder einem Arzt deines Vertrauens Hilfe zu suchen.

Noch ist die Pandemie nicht vorbei, und wie lange die neuen Lockerungen in diesem 2. Corona-Winter aufrechterhalten werden können, ist ungewiss. Zwischen gesunder Vorsicht und dem Cave-Syndrom liegt ein schmaler Grat. Lass dich von den neuen Lockerungen im sozialen Leben nicht unter Druck setzen, sondern finde mit unseren Tipps in deinem eigenen Tempo zurück ins soziale Leben.

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