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Gesichtsvisiere sind kein Ersatz für eine Maske Ranta Images / Shutterstock.com

Gesichtsvisier So viel Schutz bieten Gesichtsvisiere vor Coronaviren

Gesund durch die Corona-Krise Ein transparentes Gesichtsvisier soll besser vor Corona schützen. Woran du ein gutes erkennst und wie du es richtig anwendest und pflegst

Textilmasken sind hierzulande immer noch neu und für viele ungewohnt oder sogar befremdlich. Und viele wünschen sich endlich ein wenig Normalität und ein bisschen Unbeschwertheit zurück. Könnten transparente Gesichtsvisiere da nicht einen guten Kompromiss darstellen?

Die kurze Antwort: Jein. Für die lange Antwort haben wir mit einem Arzt und einem Hersteller solcher Visiere gesprochen. Sie erklären uns, wie viel die Visiere bringen und was man bei der Benutzung beachten muss.

Wie ist ein Gesichtsvisier aufgebaut?

So ein Visier ist denkbar simpel: "Es besteht aus einem Stirnreif mit einem flexiblen Band für den Kopf, und dem eigentlichen Visier, eine transparente Folie, die meist aus PET besteht", beschreibt Dominik Wilming von der Initiative Vechta gegen Corona, die Gesichtsvisiere gegen Covid19 produziert. PET ist das gleiche Material, das zum Beispiel aus bei Pfandflaschen eingesetzt wird. Bei einigen Modellen liegt die Folie an der Stirn an, bei anderen ist zwischen Kopf und Folie noch ein extra Bogen, damit du es bequemer tragen kannst. Die Folie liegt unten und seitlich nicht an, sondern ist offen, damit die Atemluft dort entlang fließen kann.

Gesichtsvisiere können zur Abwehr von Coronaviren beitragen, eine Maske jedoch nicht ersetzen
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Gesichtsvisiere können zur Abwehr von Coronaviren beitragen, eine Maske jedoch nicht ersetzen

Wann ist ein Gesichtsvisier nützlich?

"Vor allem in Kindergärten und Schulen, aber auch in der Pflege gibt es einen besonderen Bedarf nach solchen Visieren", erklärt Wilming. Besonders Bereiche, wo man viel und laut spricht (etwa in der Schule) oder wo Mimik und der persönliche Kontakt wichtig ist, sind die derzeit gebotenen Textil-Masken sehr hinderlich. Auch bei Menschen mit Atemnot kann sich das Problem durch die physische und psychische Atembarriere verschlimmern. Unter anderem deshalb steigt die Nachfrage nach solchen Visieren enorm, in der Hoffnung, dass sie einen Kompromiss aus Infektionsschutz und einem freien Gesicht bieten können. Das ist zwar praktisch, funktioniert allerdings nur bedingt.

Was bringt ein Gesichtsvisier?

"Ein deutlicher Vorteil der Visiere ist, dass die Augen und damit potentielle Eintrittspforten vor dem Virus geschützt werden", erklärt Dr. Lutz Graumann von Sportmedizin Rosenheim. Außerdem kann es grobe Tröpfchen, die du oder jemand anders beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Atemluft gibt, abhalten. Aber: "Beim jedem Husten werde etwa 3000 Tröpfchen mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h herausgeschleudert, beim Niesen sind es sogar 100.000 Tröpfchen mit 160 km/h", beschreibt Graumann. Ein Teil der Tröpfchen wird also mit großer Wahrscheinlichkeit einfach an der Folie vorbeigedrückt und kommt dann ungehindert in die Umgebung.

Gesichtsvisiere schützen nicht vor Aerosolen!

Beide Experten, Arzt und Hersteller, sind sich einig, dass das Visier nicht gegen eine sogenannte Aerosol-Übertragung hilft. Aerosole sind Tröpfchen, die so klein sind, dass man sie kaum sieht und sie nicht sofort zu Boden fallen, sondern in der Luft "stehen bleiben". Die Hinweise mehren sich, dass das ein relevanter Übertragungsweg für Covid19 ist. Luft mit Aerosolen kann ungehindert am Visier vorbeifließen. "Einige Visiere werden nach unten hin breiter und sind geformt wie eine Art Trichter, das könnte die Übertragung über die Atemluft sogar wahrscheinlicher machen", warnt Wilming.

Ersetzt ein Visier eine Maske?

Ein Visier schützt also mit hoher Wahrscheinlichkeit die eigenen Augen und in geringem Maße vielleicht auch die Umgebung. Dieser Effekt ist aber nicht groß genug, um einen Mund-Nasen-Schutz zu ersetzen, selbst die handgemachten halten wahrscheinlich deutlich mehr Tröpfchen ab als das nicht anliegende Visier. Deshalb und auch weil die Wirksamkeit von nicht-zertifizierten Visieren kaum erforscht ist, kannst du in den meisten Bundesländern die Maskenpflicht nicht mit Gesichtsvisieren erfüllen. Allerdings gibt es da einzelne Ausnahmen und regionale Unterschiede.

Was dagegen auf jeden Fall erlaubt ist, ist die Kombination aus beidem. Damit hast du den Fremdschutz durch den Mund-Nasen-Schutz und den Selbstschutz durch die Barriere für große Tröpfchen sowie den Augenschutz. "In medizinischen Bereichen, wo viele Aerosole zirkulieren, wird deshalb eben eine Kombination, oder eine aus Maske und Schutzbrille, empfohlen", weiß Graumann.

Gesichtsvisiere aus PET müssen vorsichtig gereinigt werden, um nicht zu verkratzen
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Gesichtsvisiere können schnell verkratzen, desshalb muss man sie vorsichtig reinigen

Wo kann ich Gesichtsvisiere kaufen?

Vor einigen Wochen ist die Nachfrage nach Gesichtsvisieren explodiert und Medizin und Pflege hatten den Vorrang bei der Produktion. "Inzwischen sind wir aber auf einem Level, dass wir auch zum Beispiel gewerbliche Anfragen annehmen können", so Wilming. Seine Initiative Vechta gegen Corona bietet zum Beispiel 5er-Sets für 37,50€ an, das Österreicher tag.werk verkauft Visiere für 11,60 € pro Stück plus Versand und bei Amazon gibt es Gesichtschutzmasken aus Kunststoff mit Wechselfolien.

Was muss man beim Kauf eines Gesichtsvisiers beachten?

Wenn du dir ein Visier kaufen willst, um deine Augen zu schützen und grobe Tröpfchen abzuhalten, gibt es einige Dinge zu beachten. Die beiden Experten haben diese 5 Tipps:

  1. Unbedenkliches Material: "Gerade bei Produkten aus 3D-Druckern sollte man aufpassen, dass das Material harmlos und robust ist. Der Stoff PLA ist zum Beispiel unschädlich, dafür aber etwas brüchig", so der Hersteller. Visiere aus dem sogenannten Spritzguss bestehen dagegen meist aus dem harmlosen und widerstandsfähigem PET.
  2. Die richtige Pflege und Desinfektion: Ein Vorteil der Visiere ist die leichte Reinigung. "Besonders wichtig ist dabei, dass ein weiches Tuch benutzt wird, welches das Material nicht zerkratzt", warnt Wilming. Zum Desinfizieren kannst du alle handelsüblichen Mittel nehmen, die in irgendeiner Form als "viruzid" gekennzeichnet sind. "Nur auf Chlor und Azeton wie etwa in Nagellackentferner sollte man verzichten, weil die das Material angreifen." Achte drauf, dass du die Dämpfe davon nicht einatmest, wenn du das Visier aufsetzt.
  3. Eine glatte Oberfläche: Ist doch mal ein Kratzer in das Visier gekommen, können sichtbare oder unsichtbare Rillen entstehen. "Die können zum einen die Sicht beeinträchtigen, sind aber vor allem deutlich schwerer zu desinfizieren", betont Wilming. Also immer schön vorsichtig und gründlich bei der Reinigung vorgehen.
  4. Die richtige Benutzung: Visiere schützen unter anderem deshalb vor einer Ansteckung, weil man sich durch sie gar nicht so leicht ins Gesicht fassen kann. Zumindest solange sie richtig sitzen und angewendet werden. "Wenn man sich durch das ungewohnte Visier aber mehr als sonst ins Gesicht fasst oder andere Hygienemaßnahmen aus einem vermeintlichen Sicherheitsgefühl vernachlässigt, macht es das schlimmer als besser", warnt Graumann.
  5. Der Tragekomfort: Gesichtsvisiere kannst du theoretisch viele Stunden tragen, solange du sie hin und wieder reinigst. "Gerade der Stirnreif sollte dafür aber eine gewisse Breite haben, um angenehm und fest zu sitzen", rät Wilming. Applikationen wie Schaumstoff oder Textil können das Kopfband bequemer machen, sind aber schwerer vom Corona-Virus zu reinigen.

Gesichtsvisiere können eine gute Ergänzung sein, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Eine echte Alternative zu Masken und anderen Hygienemaßnahmen sind die Visiere aber nicht, sie helfen nur in der Kombination. Am wichtigsten ist immer noch: Abstand halten, Hust-und-Nies-Etikette, Hände waschen und weiterhin geduldig bleiben.

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