Es ist Tabuthema, das außer (stinkender) Luft auch soziale Benachteiligungen produzieren kann: Blähungen, Pupsen, Furzen, oder poetisch "abgehende Darmwinde" – für das rektale Luft-Ablassen gibt es viele Beschreibungen (in der Wissenschaft gilt die Bezeichnung 'Flatus' als international anerkannt). Auch wenn alle es tun, redet kaum einer gern darüber und vielen ist es unangenehm, wenn Darmwinde ständig auftreten, besonders stark riechen oder mit Bauchschmerzen, Blähbauch oder Durchfall verbunden sind.
Doch so verpönt es ist, Furzen ist normal und gehört zur Verdauung wie Kauen, Schlucken und Stuhlgang. Hier gibt's die Antwort darauf, ab wann es auf Krankheiten hinweisen kann und auf welche Situationen und Lebensmittel du besonders achten solltest, um unnötige Gasbildung zu unterbinden.
Wie oft Furzen pro Tag ist normal?
10 bis 20 Mal pupst der Mensch am Tag, sagt Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Chefarzt der Helios Klinik in Krefeld und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Allerdings hängt dies auch von der Nahrung ab, die wir aufnehmen, sowie unserer Verdauung. Die Zahl ist demnach lediglich eine Orientierungshilfe. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Mal Pupsen am Tag – unabhängig von Alter und Geschlecht. Denn der menschliche Darm produziert im Schnitt etwa 700 ml Gas am Tag. Pupst du mehr als 25 Mal am Tag, könnte etwas mit dir nicht stimmen.
Wie viel Darmgas ist normal?Eine klassische Untersuchung mit gesunden Freiwilligen zeigte: Die tägliche Gasmenge kann stark schwanken. In der Studie lag das Volumen bei 476 bis 1491 Millilitern pro Tag, der Mittelwert bei rund 705 Millilitern. Männer und Frauen unterschieden sich dabei kaum. Für die Praxis heißt das: Darmgas ist normal. Auffällig wird es vor allem, wenn Menge, Geruch oder Begleitsymptome plötzlich anders sind.
Warum furzen Menschen eigentlich?
Tatsächlich entstehen schon während des Verdauungsvorganges einer einzigen Mahlzeit bis zu 1,5 Liter Darmgas. Der größte Teil ist Kohlenstoffdioxid und wird von den Zellen in der Darmwand absorbiert. Über das Blut gelangt das Gas in die Leber und dann zu den Lungen, wo es ausgeatmet wird. Und der Rest muss auch noch irgendwo hin. Die Gasbildung im Magen-Darmtrakt entsteht aus 4 Hauptquellen, erklärt Frieling, Autor des Buches "Darm an Hirn! Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben":
- durch verschluckte Luft
- durch bakterielle Vergärung von Kohlenhydraten im Dickdarm
- durch eine chemische Reaktion, bei der es zu einer Bildung von Kohlendioxid aus Magen- und Bauchspeicheldrüsensekreten kommt
- wenn sich Gas vom Blut in den Darm ausbreitet
Gerade verschluckte Luft (Aerophagie) ist ein großer Faktor. Denn wir schlucken etwa einmal in der Minute. Und jedes Mal nehmen wir 2 bis 3 ml Luft auf. Dabei gibt es aber Situationen und Faktoren, in denen du mehr Luft schluckst als sonst. Dazu gehören:
- hastiges Essen
- angeregtes Sprechen während des Essens, etwa beim Geschäftsessen oder Date
- kohlensäurehaltige Getränke
- Rauchen
- Lolli lutschen
- Kaugummi kauen
Dadurch nimmst du vermehrt Sauerstoff und Stickstoff auf, aber auch Kohlendioxid (in Kohlensäure enthalten). Das Resultat: Du musst nicht nur rülpsen, sondern eben auch furzen – denn manchmal wandern die verschluckten Gase durch den ganzen Verdauungstrakt: von Mund und Speiseröhre in den Magen, Dünndarm, Dickdarm, Rektum und schließlich bis zum Anus.
Der andere Weg der Gasbildung entsteht beim Zersetzen von Lebensmitteln durch Bakterien, die in unserer Darmflora leben. Diese Stoffwechselvorgänge produzieren Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid. Und die werden anal ausgeschieden.
Was sind die häufigsten Ursachen für vermehrtes Pupsen?
Ernährung ist zwar in den meisten Fällen der wichtigste Auslöser für häufiges Pupsen, sie ist aber nicht der einzige. Neben den oben genannten Situationen, in denen du mehr Luft als sonst verschluckst, können z.B. auch Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Diabetes, Glutenunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz Blähungen begünstigen. Bei einer Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase ganz oder teilweise. Typische Beschwerden wie Krämpfe, Durchfall und starke Blähungen treten oft 30 Minuten bis 2 Stunden nach Milchprodukten auf. Weltweit haben Daten des US-Gesundheitsministeriums zufolge rund zwei Drittel der Menschen eine Laktosemalabsorption, also eine verminderte Fähigkeit, Milchzucker vollständig zu verdauen.
Auch Medikamente können Blähungen fördern, zum Beispiel Metformin, Acarbose oder Miglitol bei Diabetes, penicillinhaltige Antibiotika oder Abführmittel. Überdies spielt auch die Darmflora eine Rolle, so kann es bei Entzündungen im Darm zu einer Überwucherung mit "falschen" Bakterien kommen. Ein Atemtest beim Arzt bzw. Ärztin kann das aufklären.
Diese und weitere wichtige Ursachen, die neben dem Verschlucken von größeren Mengen an Luft zu Blähungen führen können, sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:
Warum stinken einige Fürze mehr als andere?
Dein Darmgas besteht aus 5 verschiedenen Gasen. Der Großteil dieses Gases ist geruchsneutral, nur 1 Prozent ist für den Gestank verantwortlich. Manchmal befinden sich zu wenige Enzyme in deinem Magen, die dafür da sind, Lebensmittel aufzuspalten. Das betrifft vor allem Kohlenhydrate wie Zucker, Stärke oder Rohfasern. Die Folge: Bakterien im Dickdarm müssen die Arbeit übernehmen. Problem: Die Bakterien vergären die Lebensmittel dann nur noch, sodass die Gasausscheidung stinkt. Vom Geruch im Allgemeinen lässt sich also mitunter ableiten, dass du wahrscheinlich einige der folgenden Lebensmittel gegessen hast.
Welche Lebensmittel verursachen besonders viele Blähungen?
- Bohnen und Linsen
- Kohlarten, etwa Brokkoli sowie Blumen- und Rosenkohl
- Schwefelhaltiges Gemüse wie Zwiebeln, Porree, Knoblauch, Bärlauch, Schnittlauch und Paprika
- Vollkorn-Lebensmittel, darunter auch Getreide-Müsli und Kekse
- Obst, weil es Fruchtzucker (Fructose) enthält
- Milchprodukte (siehe Laktoseintoleranz)
- Künstliche Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe. Darunter Mannit (Zusatzstoffnummer E 421), Xylit (E 967), und auch Sorbit (E 420 und E 432 – E 436), das in Light-Getränken, Zahnpflegekaugummis, aber auch in Wein zu finden ist. Was nicht heißt, dass du nie wieder Wein trinken sollst. Es kommt, wie so oft, auf die Menge an. Viele vertragen 1–2 Gläser Wein, ohne gleich einen Blähbauch zu bekommen.
Vorsicht: Komm jetzt nicht auf die Idee und verzichte auf Gemüse oder Obst, nur weil du nicht mehr stinken willst. Unangenehmer Geruch gehört nun mal zu deinem Körper dazu. Außerdem: Das schwefelhaltige Gemüse etwa erfüllt lebenswichtige Aufgaben in deinem Körper. Und bevor du fragst: Nein, zwischen dem Geräusch deines Furzes und seinem Geruch gibt es keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang. Solltest du generell Probleme mit der Verdauung haben: Ballaststoffe sorgen für einen gesunden Darm.
Studienlage zu Probiotika und BlähungenViele Studien, wie diese systematische Übersichtsarbeit im World Journal of Gastroenterology, deuten darauf hin, dass Probiotika bei Reizdarmsyndrom Beschwerden wie Blähbauch, Bauchschmerzen und Flatulenz verbessern können. Die Studienlage ist aber uneinheitlich, weil unterschiedliche Stämme, Dosierungen und Patientengruppen untersucht wurden. Für die Praxis heißt das: Probiotika können einen Versuch wert sein, sind aber kein garantiertes Anti-Pups-Mittel.
Was passiert, wenn man das Pupsen unterdrückt?
Das ist zwar nicht zwingend schädlich, so der Experte. Aber wer Pupsen unterdrückt, bei dem dehnt sich natürlich durch die Ansammlung der Gase der Darm aus. Dadurch können Bauchkrämpfe entstehen. Zudem kann sich der Druck auf die Lungen erhöhen und der Betroffene gerät unter Stress – das ist alles nicht lebensbedrohlich, jedoch ausreichend unangenehm.
Was hilft gegen häufiges Pupsen?
Gegen Blähungen hilft am besten, die Ursache zu finden. Meist reicht es nicht, nur ein Mittel gegen "Gas" zu nehmen. Sinnvoller ist eine Kombination aus Essverhalten, Ernährungstagebuch, Bewegung und gezielter Behandlung, wenn eine Unverträglichkeit oder Reizdarm dahintersteckt.
Was bringen Entschäumer, Kräuter und Probiotika?
Es gibt Medikamente, darunter sogenannte Entschäumer (Wirkstoffe: Dimeticon oder Simethicon), die Gasblasen im Darm platzen lassen, sodass das Gas über die Darmschleimhaut aufgenommen werden kann. Aber: Entschäumer reduzieren nicht die Gasproduktion an sich, warnt Prof. Frieling.
Betroffene sollten zunächst einmal Kräutermischungen (Phytotherapeutika) ausprobieren: also Zubereitungen aus Kümmel, Anis, Pfefferminze, Kamille, Löwenzahn, bittere Schleifenblume (Iberis amara). Zudem können Probiotika helfen. Sie enthalten natürliche und lebende Mikroorganismen (Bakterienstämme), die eine gesundheitsfördernde Wirkung auf die (angegriffene) Darmflora haben.
Wer in der Beziehung furzt, meint es ernst
Ab wann ist Pupsen in einer Beziehung okay? Ab 2 bis 6 Monaten, nachdem du mit dem Dating begonnen hast, so eine Umfrage eines US-Medien- und Internetunternehmens. Das zumindest hatten knapp 30 Prozent der Befragten zwischen 20 und 30 Jahren geantwortet. Erst dann scheint die Beziehung auf so festen Füßen zu stehen, dass die eine Person sich nicht von dem abgestoßen fühlt, was sie selbst reichhaltig produziert: Gas im Darm. Gut 25 Prozent sagten sogar, sie würden länger als 6 Monate und bis zu einem Jahr warten.
23 Prozent hatten fürs Warten nichts übrig. Sie fingen direkt nach ein paar Wochen an, vor dem Partner oder der Partnerin zu furzen. Und warum auch nicht? Wer vor seinem Partner oder seiner Partnerin pupst, zeigt sich menschlich und beweist, dass er dem anderen vertraut.
Wann sind häufige Blähungen gefährlich?
Gasbildung ist meist harmlos. Einige Faktoren, wie bestimmte Lebensmittel oder vermehrtes Luftschlucken, können die Gasbildung im Körper erhöhen. Wenn du also Probleme haben solltest: Führe zunächst ein Ernährungstagebuch, rät Experte Frieling. So kann festgestellt werden, welche Lebensmittel die Auslöser sein könnten.
Eine:n Ärzt:in oder Gastroenterolog:in solltest du erst aufsuchen, wenn ausgeprägte Blähungen neu auftreten. Oder wenn sie länger andauern und zudem als belastend empfunden werden. Vor allem aber dann, wenn die Blähungen von Alarmsymptomen wie Stuhlveränderungen, Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust begleitet werden.
FAQ: Furzen und Blähungen
Nach dem Essen arbeiten Magen und Darm stärker. Wenn du schnell isst, viel Luft schluckst oder blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Vollkorn oder Milchprodukte nicht gut verträgst, entstehen mehr Gase.
Der Geruch nach faulen Eiern entsteht meist durch schwefelhaltige Verbindungen. Diese können beim Abbau von schwefelreichen Lebensmitteln wie Eiern, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch oder bestimmten Fleischgerichten entstehen.
Ja. Stress beeinflusst die Darmbewegung, die Wahrnehmung von Dehnung und das vegetative Nervensystem. Bei Reizdarm können Stress und Anspannung Beschwerden wie Blähbauch, Bauchschmerzen und Flatulenz verstärken.
Manchmal. Besonders bei Reizdarmsyndrom können bestimmte Probiotika Beschwerden wie Blähungen und Flatulenz verbessern. Die Wirkung ist aber individuell. Wenn du nach einigen Wochen keine Besserung bemerkst oder die Beschwerden schlimmer werden, solltest du die Einnahme prüfen.





