Dauerstress kann zu einer ernsthaften Gefahr für deine Gesundheit werden Roman Samborskyi / Shutterstock.com

Stress macht krank 9 gefährliche Folgen von Stress, die du kennen solltest

Ständig nur Arbeit und kaum Entspannung? Dazu Angst vor Ansteckung mit Coronaviren und Jobverlust? Keine gute Mischung. So schadet Dauerstress deiner Gesundheit

Die Anspannung durch die ständigen Überstunden lässt dich nicht schlafen? Der Termindruck versetzt dich in Panik? Zudem kommt jetzt auch noch die Angst vor Covid-19 und das Bangen um den Job. Und du hast plötzlich mit Kopf- und Rückenschmerzen zu kämpfen? Das alles kann darauf hindeuten, dass du zu viel Stress ausgesetzt bist. Klar, jeder hat mal besonders anstrengende Phasen. Doch wenn es sich bei dir eher um einen Dauerzustand als um eine Phase handelt, solltest du jetzt hellhörig werden: Denn Stress kann dauerhafte, schwerwiegende Folgen verursachen.

In diesem Artikel:

Was ist Stress überhaupt?

"Stress ist eine äußere oder innere Belastung, auf die der Körper reagiert. Man kann dabei zwischen Eustress und Disstress unterscheiden", sagt Prof. Hans-Christian Deter von der Berliner Charité. Eustress ist dabei eine Belastung, die Vorteile mit sich bringt und keine negativen Auswirkungen auf deinen Körper hat. Das kann beispielsweise Sport sein: Eustress kann dir helfen, am Ball zu bleiben und motiviert dich, deine Bestleistungen zu erreichen.

Bei Disstress ist das anders: "Disstress kann Nachteile für die Betroffenen haben. Die Belastung führt oft zu Frustration und kann in Krankheiten münden", sagt der Professor für Psychosomatik. Häufig fällt die Arbeit unter den Faktoren, die Disstress auslösen. Bei Stress werden unter anderem die Hormone Adrenalin, Nor-Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. "Der Anstieg der Stresshormone ist eine normale und wichtige Reaktion des Körpers, denn sie sorgt bei Gefahr dafür, dass man wach ist und schnell reagieren kann", so Deter. Jedoch ist die dauerhafte Ausschüttung dieser Hormone nicht gut für deinen Körper. Das sind die 10 besten Stressstopper.

Was sind die Ursachen von Stress?

"Die Auslöser für Stress können individuell sehr unterschiedlich sein: Stress für den einen ist nicht immer Stress für einen anderen", betont Deter. Deutliche Unterschiede gibt es dabei auch zwischen Männern und Frauen, wie eine Studie der Techniker Krankenkasse von 2016 zeigt: Während unter den befragten Männern 54 Prozent angaben, dass die Arbeit eine Stressurasche ist, waren es bei den weiblichen Studienteilnehmerinnen nur 39 Prozent. Hingegen gaben 48 Prozent der Frauen an, dass die zu hohen Ansprüche an sich selbst eine Stressursache ist – bei den Männern waren es aber nur 37 Prozent.

Die Studie zeigt auch, wie unterschiedlich die Ursachen von Stress sein können: So führen auch die ständige Erreichbarkeit, die Teilnahme am Straßenverkehr und zu viele Termine und Verpflichtungen in der Freizeit zu Stress. Jedoch ist die Arbeit laut der Studie eine der größten Faktoren – und das kann auch Deter bestätigen: "Die Arbeitsbelastung ist eine häufige Ursache von Stress, weil Menschen heutzutage intensiver und auch mehr arbeiten. Die zunehmenden Fälle von Burnout zeigen, dass die Ansprüche am Arbeitsplatz an Menschen oft gestiegen sind", sagt der Experte.

Das sind die 9 häufigsten Folgen von Stress

Mit kurzzeitigen Stressphasen kommt dein Körper meist gut klar. Zum Problem wird es erst, wenn du aus der ständigen Belastung keinen Weg heraus mehr findest – und der Stress zum Dauerproblem wird. Denn dann drohen verschiedene Folgen für deinen Körper und deine Psyche.

1. Du leidest regelmäßig an Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind häufig eine der ersten Symptome, die sich bei zu viel Stress bemerkbar machen. Bei der Studie der Techniker Krankenkasse gaben insgesamt 26 Prozent der Befragten an, wegen ihrer Belastung häufig oder gar dauerhaft an Kopfweh oder Migräne zu leiden. Wenn dein Kopf regelmäßig förmlich pocht, könnte das also ein Anzeichen auf zu viel Stress sein.

2. Nacken- und Rückenschmerzen machen dir zu schaffen

Ja, der Stress kann auch auf deinen Nacken oder Rücken gehen. "Gerade bei häufiger Arbeit am PC kann eine ungünstige Haltung eingenommen werden, die unter Stress zu Rückenschmerzen führen kann", betont Experte Deter. Die durch die Dauerstress verursachte Alarmbereitschaft des Körpers verspannt zusätzlich die Muskulatur – und das kann auch zu Kopf-, Nacken- oder Rückschmerzen führen. Das tückische an solchen Folgen ist, dass Betroffene oft nicht auf die Idee kommen, dass es am Stress liegen könnte: "Viele Menschen nehmen bei Kopfschmerzen einfach Medikamente oder lassen sich bei Rückschmerzen massieren. Doch dass diese Beschwerden durch die Lebenssituation entstanden sind, ist vielen nicht bewusst", so Deter. Das sind die besten Übungen bei Rückenschmerzen.

3. Du könntest Krämpfe und Atemnot erleiden

Zu häufiger und intensiver Stress kann auch zu Funktionsstörungen führen, sagt Deter: "Beispielsweise kann es zu Funktionsstörungen der Atmung mit Krämpfen und Atemnot und einer Veränderung des Säure-/Basenhaushalts kommen." Diese seien jedoch reversibel und gehen beispielsweise in dem Augenblick zurück, in dem du nicht mehr hyperventilierst.

4. Du leidest an Magen-Darm-Beschwerden

"Stress kann sich auch auf das Verdauungssystem auswirken: Durchfall, Verstopfungen und Bauchschmerzen können Reaktionen auf Stress sein", sagt Deter. Denn die vermehrte Anzahl an Stresshormonen lassen die Konzentration von Magensäure steigern, was deinem Magen-Darm-Trakt zu schaffen macht.

5. Dein Blutdruck schießt in die Höhe

Durch hohe Stressbelastungen können auch körperliche Krankheiten wie hoher Blutdruck oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. "Bei Stress werden die Hormone Adrenalin und Nor-Adrenalin aus der Nebennierenmark und dem Zentralnervensystem ausgeschüttet, die dazu führen, dass beispielsweise der Puls und der Blutdruck steigen", sagt der Stress-Experte. Hält der Stress über einen langen Zeitraum an, kann der Bluthochdruck zu einem Dauerproblem für dich werden. Zudem kann es auch zu Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen kommen.

6. Du bist ständig erschöpft

Die ständige Belastung kann den Körper und die Psyche regelrecht auslaugen. Das erklärt Deter so: "Akute Belastungen führen auch zu einem Anstieg des Hormons Cortisol. Wenn der Stress lange Zeit weiter besteht, kommt es zur Erschöpfung des körpereigenen Stresssystems und zu einem Cortisol-Mangel, der sich als Erschöpfung bei den Betroffenen äußert", sagt der Experte. Und diese Erschöpfung kann wiederum zu anderen körperlichen Krankheiten führen oder aber auch bestehende verschlimmern. "Wenn Menschen zum Beispiel eine chronische Erkrankung haben und Medikamente einnehmen müssen, kann Stress dazu führen, dass sie die Einnahme vergessen", so Deter. Nicht selten kann Stress auch einen Burnout verursashen, also zur völligen psychischen und physischen Erschöpfung führen. Daran erkennst du ein Burnout.

7. Der Stress raubt dir den Schlaf

Du liegst nachts stundenlang rum, wälzt dich hin und her, findest aber keinen Schlaf? Auch das ist eine häufige Folge von Stress. "Die körperlichen Symptome von Stress können häufig auch mit Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Schlafstörungen einhergehen", sagt Deter. Neben Einschlafproblemen kann Stress auch dafür sorgen, dass du mitten in der Nacht vor lauter Panik aufwachst und nicht zurück in den Schlaf findest. Und der Schlafmangel kann wiederum diese gefährlichen Folgen haben.

8. Dauerstress kann psychische Erkrankungen wie Depression verursachen

"Stress kann auf Dauer psychische Symptome hervorrufen, darunter Depressionen, Angstzustände, Panikattacken oder Erschöpfung", betont der Experte. Halten bei dir Symptome wie beispielsweise negative Gedanken, ein Gefühl der inneren Leere, vermindertes Selbstwertgefühl oder Antriebslosigkeiten an, könnte das auf eine Depression hinweisen, die möglicherweise durch zu viel Stress verursacht wurde.

9. Dein Immunsystem wird geschwächt

Das Stresshormon Cortisol kann zunächst deine Abwehrkräfte stärken. Doch sobald dein Körper das Hormon dauerhaft zu oft ausschüttet, wirst du irgendwann erschöpft. Das schwächt dein Immunsystem enorm, weil du dein Körper dann zu wenig Cortisol ausschüttest. Je länger diese Erschöpfung andauert, desto länger bist du auch anfälliger für Infekte.

Wie lässt sich Stress bekämpfen?

"Den Stress wahrzunehmen ist ein wichtiger erster Schritt: Dann können Betroffene versuchen, Abhilfe und einen Stressabbau zu schaffen und beispielsweise auch versuchen, weniger zu arbeiten oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen", rät der Charité-Professor. Schon allein dieser erste Schritt ist für viele nicht einfach, weil Betroffene den Stress oft unterschätzen – oder erst gar nicht wissen, dass sie an zu hohem Stress leiden. Daher gilt für dich: Wenn du seit einiger Zeit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Durchfall oder gar Bluthochdruck und Panikattacken hast, solltest du dich Fragen, ob es nicht an deiner alltäglichen Belastung liegen könnte. Und auch wenn du bei Freunden merkst, dass ihnen der Stress zu viel wird, kannst du ihnen helfen, indem du sie darauf ansprichst.

Sobald du realisiert hast, dass du gestresst bist, kann die Behandlung beginnen: "Gegen Stress ist Entspannung sehr hilfreich. Hierfür gibt es Methoden wie das autogene Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga", sagt Deter. Bewährte Techniken findest du hier.

Doch der Experte betont, dass es wichtig ist, zunächst die Ursachen von dem krank machenden Stress zu verstehen und praktische Lösungen anzugehen. Manchmal hilft es bereits, wenn du dir mehr Freizeit oder Zeit mit deinen Liebsten gönnst. So kannst du erstmal versuchen, deinen Stress allein zu bekämpfen – solltest aber auch rechtzeitig die Reißleine ziehen, wenn du nicht mehr weiterweißt. "Wenn die Belastung so groß ist, dass der Betroffene ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich krankmelden muss, ist es ratsam, eine intensivere Behandlung zum Stressabbau zu beginnen", empfiehlt Deter.

Fazit: Hör auf deinen Körper

Obwohl sich Stress an einer Reihe an körperlichen und psychischen Anzeichen bemerkbar macht, realisieren viele Betroffene gar nicht, dass ihre Stressbelastung zu hoch sein könnte. Wenn du an Kopf- oder Rückenschmerzen, Magenbeschwerden, Bluthochdruck bis hin zu dauerhafter Erschöpfung oder Schlaflosigkeit leidest, solltest du dich fragen, ob es nicht am Stress liegen könnte. Denn es ist gut möglich, dass dich die Arbeit oder die hohen Ansprüche an dich selbst zu sehr belasten. Wenn du deinen Stress mit mehr Freizeit oder Entspannungsmethoden früh genug in den Griff kriegst, kannst du langfristige Folgen wie Depressionen und Burnout vermeiden.

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