THEMEN-SPECIAL
Eine Saison wie ein Profi-Radrennfahrer
Max Immer: so schaffe ich die L’Étape du Tour de France Alpecin/Henning Angerer

Interview Teil 2 "Mein Ziel ist ankommen und überleben"

Unser Ich-bin-noch-nie-ein-Radrennen-gefahren Redakteur Maximilian Immer will eine der härtesten Etappen der Tour de France 2019 bezwingen. Im 2-teiligen Interview spricht er über seine Motivation, sportliche Krisenmomente und die Vorbereitung

Teil 2

Kommen wir zum Kern des Radsports: Strapazen und Schmerzen. Was war Dein bisher größter sportlicher Leidensmoment?
Körperlich? Bei den beiden 10-Kämpfen! Und zwar jedes Mal die letzte Disziplin am letzten Tag, einmal der 400-Meter Lauf und der 1500-Meter Lauf. Ich hatte immer zu früh zu viel Gas gegeben. Am Ende war der Tank leer. Aber ich hab mich durchgebissen und es geschafft. Zum Schluss konnte nicht mehr stehen. 

Hattes Du Mal einen mentalen Krisenmoment?
Beim Wellenreiten. Ich war aufm Wasser uns surfte 2-Meter Wellen ab. Dann rollten Wellen an, die nur einen Meter höher waren, aber ich konnte mich nicht überwinden. Technisch hätte ich sie absurfen können, ohne Probleme. Für den Kopf waren sie zu groß, es ging nicht. Die Blockade besteht bis heute. Ab 3-Meter Wellen macht bei mir der Kopf dicht. 

Abfahrt, Anstieg, Gruppenfahrt oder Sturz: Wovor hast du am meisten Angst auf der Radstrecke?
Angst habe ich nicht, weil der Begriff für mich mit Panik verbunden ist. Ich habe aber Respekt vor der Herausforderung. Am meisten vor den Abfahrten. Wir werden mit 80 km/h den Berg runterdonnern, wenn ich mich da hinlege, brennt mir alles weg. 

Keine Angst, es nicht zu schaffen?
Das ist zwar die härteste Challenge, die ich mir jemals im Leben aufgehalst habe. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann nur, dass ich es schaffe.

Max beim Alpecin Bikefitting
Alpecin/Henning Angerer
Maximilian bei der Blutabnahme um den Laktatwert zu messen

Wie wichtig schätzt Du den Team-Geist bei dieser Challenge ein?
Gerade jetzt in der Vorbereitung ist die Unterstützung, der Erfahrungsaustausch und Motivation eines der wichtigsten Elemente. Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, über die wir uns gegenseitig zum Training anfeuern. Die haben alle Erfahrung was Radrennen angeht, Krafteinteilung, Nebeneinanderfahren und Bergabfahren — das habe ich alles nicht. Bis zum ersten Anstieg wird es daher bestimmt sehr wichtig sein. Aber ich vermute, je länger das Rennen geht, desto eher wird sich das Team verteilen, je nach Leistungs- und Erfahrungsstand.

Vom 6. Bis 14. April ist das Trainingslager in Südtirol. Was wird Dich erwarten?
Viel Fahrradfahren und nach den ersten Berganstiegen das Material nachjustieren. Gerade für mich als Wahlhamburger ist das Trainingslager eine gute Chance überhaupt mal Bergluft zu schnuppern. Wir gehen wie bei einer Marathonvorbereitung vor: wir üben Teilstrecken, gehen nie über die volle Länge. Das Rennen bleibt das Rennen. So bleibt der Wille straff und bis zum Ende der Ansporn, die volle Distanz schaffen zu wollen. 

Wirst Du deine Erfahrungen im Trainingslager mit unseren Lesern teilen?
Auf jeden Fall! Ich werde Social Media Posts absetzen, wie ich die erste Bergfahrt erlebe, was das Team unternimmt, fachliche Hintergründe rund ums Fahrrad gibt’s natürlich auch. Wer Lust hat, kann sich u.a. hier über meinen Leidenszustand auf dem Laufenden halten. 

Welches Versprechen gibt's Du unseren Lesern mit? 
Auch wenn jede Muskelfaser in mir schreit und aufhören will — Ich werde am 21. Juli solange fahren bis mir schwarz vor Augen wird und ich umfalle! 

Und Dein persönliches Ziel?
Da fahren ja fast 15.000 Teilnehmer mit, das ist also ein riesen Spektakel und auch nicht ungefährlich. Vergangenes Jahr hat sich eine Fahrerin bei einem Kreisverkehr komplett hingelegt, die musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Mein Ziel ist ankommen und überleben.

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