Bei etwa 30 Prozent der Männer beginnt der Haarausfall bereits vor dem 30. Lebensjahr. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ist sich die Wissenschaft immer noch nicht ganz sicher, warum das so ist. Häufig spielt die Genetik eine Rolle, aber auch hormonelle und metabolische Faktoren könnten den Verlauf beeinflussen.
Doch kürzlich wurde ein überraschender Faktor entdeckt: die Stoffwechselgesundheit deiner Mutter oder deiner Schwester. Eine aktuelle Meta-Analyse ergab, dass männliche Verwandte ersten Grades von Frauen mit PMOS etwas höhere Raten an männlichem Haarausfall aufwiesen, verbunden mit höheren Nüchternblutzuckerwerten, Cholesterinwerten und Blutdruckwerten.
Wichtig: Eine "männliche Form" von PMOS ist bislang keine anerkannte medizinische Diagnose.
Was ist PMOS – und was hat das mit Haarausfall zu tun?
Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS), früher als polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt, ist eine hormonelle und Stoffwechselstörung des gesamten Körpers, die vor allem bei Frauen diagnostiziert wird – doch es besteht die Möglichkeit, dass es ein männliches Äquivalent gibt.
"Studien haben gezeigt, dass offenbar eine Reihe von Genen für die Entstehung von PMOS bei Frauen verantwortlich ist", sagt Dr. med. Gillian Goddard, Fachärztin für Endokrinologie und Autorin des Buches The Hormone Loop. "Bei cis-Männern, die diese Gene erben, beobachten wir sowohl eine verstärkte männliche Glatzenbildung als auch ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Prädiabetes und Insulinresistenz."
Warum wird PCOS jetzt als PMOS bezeichnet?
Die Umbenennung von PCOS in PMOS erfolgt vor dem Hintergrund der Kritik, dass die Eierstöcke nicht im Mittelpunkt dieser Erkrankung stehen, die als ganzheitliches Syndrom betrachtet wird. "Das Streichen des Begriffs 'ovariell' aus der Bezeichnung der Erkrankung könnte dazu beitragen, dass Ärzte nicht in einen Tunnelblick verfallen und die 50 Prozent der Bevölkerung, die keine Eierstöcke haben, aus der Forschung zu PMOS ausschließen", sagt Dr. med. Leo F. Doherty, FACOG.
"Das Konzept einer 'männlichen Variante' von PMOS ist relativ neu und stellt keine etablierte medizinische Diagnose dar", sagt Dr. med. Viktoryia Kazlouskaya, PhD, eine doppelt zertifizierte kosmetische und medizinische Dermatologin sowie Expertin für Haarausfall in Manhattan.
Was zeigt die Forschung zu Männern aus betroffenen Familien?
Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse in Basic and Clinical Andrology untersuchte männliche Verwandte ersten Grades von Frauen mit PMOS. Dazu zählen unter anderem Väter, Brüder und Söhne. Die Auswertung ergab, dass diese Männer leicht häufiger von männlichem Haarausfall betroffen waren. Außerdem wurden bei ihnen etwas häufiger erhöhte Nüchternblutzucker-, Cholesterin- und Blutdruckwerte festgestellt.
Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht, dass PMOS bei weiblichen Verwandten direkt Haarausfall bei Männern verursacht. Auch lässt sich daraus nicht ableiten, dass jeder Mann mit einer betroffenen Mutter, Schwester oder Tochter automatisch ein erhöhtes Risiko hat.
Gibt es einen Bluttest oder Gentest für Männer?
Was solltest du als Mann nun tun, wenn du diese Symptome bei dir selbst bemerkst? Es gibt keinen eindeutigen Bluttest zur Diagnose von PMOS bei Frauen, geschweige denn bei Männern, sagt Dr. Goddard.
"Männer, bei denen das Risiko für die männliche Entsprechung von PMOS besteht, sollten ihren Arzt nicht vorschnell um einen Gentest bitten", rät Dr. Doherty. "Das bedeutet jedoch nicht, dass männliche Verwandte von Frauen mit PMOS, darunter Brüder, Söhne und Väter, nicht mit ihrem Arzt über Vorsorgeuntersuchungen auf endokrine und metabolische Anomalien sprechen sollten, die häufig bei Männern mit dem männlichen Äquivalent von PMOS auftreten."
Welche Symptome könnten bei Männern eine Rolle spielen?
Natürlich haben Männer keine unregelmäßigen Perioden wie Frauen mit PMOS, doch Dr. Doherty weist darauf hin, dass früh einsetzender Haarausfall und/oder schwere Akne Symptome einer eigenen Form von PMOS sein könnten.
Der Ernährungswissenschaftler und Trichologe Keith Kantor, ND, PhD, erklärt, dass früh einsetzender Haarausfall ein Symptom für eine Stoffwechsel- oder Hormonstörung sein kann. "Ein zurückgehender Haaransatz kann rein genetisch bedingt sein und nichts weiter, aber ungewöhnlich früher oder starker Haarausfall kann manchmal ein Warnsignal des Körpers sein", so Kantor.
Was solltest du bei frühem Haarausfall tun?
Wenn sich der Haaransatz ungewöhnlich früh zurückbildet oder der Haarausfall besonders schnell voranschreitet, solltest du zunächst eine dermatologische Untersuchung vereinbaren. Die Ärztin oder der Arzt kann feststellen, ob es sich wahrscheinlich um androgenetischen Haarausfall handelt oder ob andere Ursachen infrage kommen.
"Ich würde nach der Familienanamnese fragen und so schnell wie möglich mit einer DHT-blockierenden Tablette wie Finasterid (1 mg) beginnen", sagt Dr. med. Corey Hartman, Facharzt für Dermatologie. "Zweitens würde ich empfehlen, mit oralem Minoxidil (2,5 bis 5 mg) zu beginnen, um dickeres, volleres und längeres Haarwachstum zu fördern. Die beiden Mittel wirken gut zusammen. Wenn der Patient bereits im fortgeschrittenen Stadium oder besonders motiviert ist, würde ich Injektionen mit plättchenreichem Plasma oder plättchenreichem Fibrin vorschlagen."
Zwar gibt es keine Heilung für das männliche PMOS, doch Dr. Hartman schlägt kleine Veränderungen vor, die das Leben mit einer Stoffwechsel- oder endokrinen Störung etwas erleichtern können. "Die Insulinresistenz unter Kontrolle halten, die androgenetische Alopezie behandeln, Akne angemessen angehen und eine solide Grundlage für Lebensstiländerungen schaffen, um Gewicht, Blutdruck und Stress so gering wie möglich zu halten."
FAQ: Häufige Fragen zu frühem Haarausfall und PMOS
Ein Gentest ist nach aktuellem Stand nicht der erste Schritt. Sinnvoller kann es sein, mit einer Ärztin oder einem Arzt über persönliche Risikofaktoren und mögliche Stoffwechseluntersuchungen zu sprechen. Dazu können je nach Situation Blutzucker, Blutfette und Blutdruck gehören.
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich. Eine frühe dermatologische Diagnose kann jedoch helfen, geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen. Medikamente wie Finasterid oder Minoxidil kommen nur nach ärztlicher Beratung infrage.
Beide Begriffe können den Eindruck erwecken, dass es sich bereits um eine medizinisch eindeutig definierte Erkrankung handelt. Das ist derzeit nicht der Fall. Die Forschung untersucht mögliche genetische, hormonelle und metabolische Zusammenhänge, eine standardisierte Diagnose für Männer existiert aber noch nicht.





