Soll ich besser morgens oder abends trainieren? A. and I. Kruk / Gorodenkoff / Shutterstock.com

Soll ich besser morgens oder abends trainieren?

Idealer Trainingszeitpunkt Soll ich besser morgens oder abends trainieren?

Wecker stellen oder Nachtschicht im Gym einlegen? Morgens vs. abends trainieren: Wir verraten dir, wann du deine Trainingsziele schneller erreichst.

Ausdauer- oder Krafttraining? Zirkeltraining oder Stationen-Workout? Morgens oder abends trainieren? Was ist besser für deinen Körper und vor allem für deine Trainingsergebnisse? Es gibt eine Menge Fragen, die dir vermutlich bei der Planung deiner Workouts durch den Kopf gehen.

Zumindest zum Trainingszeitpunkt gibt es wissenschaftliche Untersuchungen und Zahlen, die dir die Planung leichter machen. Du hast schon von deinem Biorhythmus gehört – deiner so genannten "inneren Uhr", die unter anderem deinen Schlaf beeinflusst? So einen Biorhythmus haben auch deine Muskeln, behauptet eine US-Studie der Northwestern University in Chicago. Dein Körper reagiert auf Training zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich. Laut Studie ist der beste Trainingszeitpunkt: bei Tageslicht, dann sei die Leistungsfähigkeit der meisten Menschen am besten. Der Grund: Spezielle Proteine, die den Stoffwechsel auf Trab halten, wenn der Sauerstoffgehalt beim Sport in den Muskelzellen abfällt, wirken effektiver, wenn man sehr wach ist.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Workout direkt nach Sonnenaufgang und dem ersten Kaffee für alle Sportler ideal ist. Britische Forscher raten in einer Studie im Fachmagazin "Current Biology" dazu, sich an seinem persönlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu orientieren: Frühaufsteher sollten am besten in der Mittagspause trainieren, während Langschläfer eher in den frühen Abendstunden ihre sportlichen Bestleistungen abrufen könnten.

Früher Gym-Vogel vs. Kraftraum-Nachteule

Trotz dieser Empfehlung ist es häufig komplizierter, den perfekten Zeitpunkt zu bestimmen, um besser zu trainieren. Denn dieser ist individuell, hängt mit deinen Trainingszielen und der Art des Workouts zusammen, das du durchführen willst. Du musst also nicht immer vor Sonnenuntergang noch schnell ins Gym sprinten. Wer morgens oder abends trainieren will, sollte folgende Regeln beherzigen:

Wann sollte ich besser morgens trainieren?

Wenn du Muskeln aufbauen willst und einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus hast: Deine Testosteron-Werte sprechen für ein Training am Morgen, sofern du in der Nacht schläfst und nicht in der Nachtschicht arbeitest. Die Testosteron-Konzentration ist laut Prof. Dr. Porst morgens beziehungsweise nach dem Schlafen um ein Drittel höher. Das Power-Hormon Testosteron versorgt dich mit Energie und unterstützt den Muskelaufbau.

Wenn du Probleme beim Einschlafen hast: Auch dein Schlafrhythmus profitiert von einem Training in der Früh. Wer um 7 Uhr morgens schon die Hanteln schwingt, schläft nachts besser als Abendsportler, wie eine Studie der Appalachian State University im US-Bundesstaat North Carolina zeigt.

Wenn du gezielt deine Fettverbrennung ankurbeln willst: Ausdauersportler und Abnehmwillige sollten morgens, am besten vor dem Frühstück, in die Sportschuhe schlüpfen: Denn dann verbrennst du bis zu 20 % mehr Fett, wie Wissenschaftler der Northumbria University herausfanden. Der Grund: Blutzucker-, Insulin- und Glykogen-Level sind nach dem Aufwachen noch unter dem Normalwert, so dass dein Körper eher an die Fettreserven geht.

Vorbild gefällig? Dwayne "The Rock" Johnson trainiert noch bevor der Hahn kräht. Und zwar um 4:30 Uhr in der Früh.

Noch mehr Motivationstipps zum Frühsport findest du in unserem Artikel zum Thema.

Wann sollte ich abends trainieren?

Wenn du viel Stress hast: In dem Fall ist dein Cortisol-Level ohnehin schon erhöht. Die Werte des Stresshormons, das den Muskelabbau fördern kann, sind morgens um drei Viertel höher als am Abend und in der Nacht. Deshalb sollten Vielbeschäftigte ihr Training besser in die Abendstunden legen. Dies legen Wissenschaftler in einem 2016 erschienenen Artikel im Fachmagazin "Applied Physiology Nutrition and Metabolism" nahe.

Wenn du schwer liften möchtest: Dein Kraftlevel ist morgens an einem Tiefpunkt und steigt gleichmäßig über den Tag. Höchstwerte darfst du am Abend erwarten. Das bedeutet, dass du für ein effektives Krafttraining abends im Fitnessstudio einchecken solltest. Diese Empfehlung gilt aber nicht für alle Arten von sportlichen Übungen. Deine Leistungsfähigkeit bei gleichbleibenden Ausdauerbelastungen (etwa beim lockeren Laufen oder Radfahren) wird nicht von der Tageszeit beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler im Fachblatt "BMJ Open Sport and Exercise Medicine".

Wichtig fürs Training am Abend: Du solltest etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen mit deinem Sportprogramm durch sein. Ansonsten läuft dein Kreislauf nachts noch auf Hochtouren, was wiederum deinen Biorhythmus und deinen Schlaf durcheinander wirbelt.

Motivation gefällig? Sport-Rekorde – beispielsweise von Sprint-Legende Usain Bolt – werden fast immer nach Sonnenuntergang gebrochen.

Fazit: Mehr Fett verbrennen am Morgen, weniger Stress am Abend

Wer morgens trainieren geht, kann gute Abnehmerfolge, mehr Testosteron für den Muskelaufbau und besseren Schlaf für sich verbuchen.

Für das Training am Abend sprechen mehr Kraft, weniger Stress und die Chance, der Chipstüte vor dem Fernseher oder dem Kneipengelage mit den Kumpels aus dem Weg zu gehen. 

Letztlich kommt es bei der Entscheidung für Sport am Morgen oder Abend aber auch auf deine Vorlieben an: Plane deine Sporteinheiten so, wie sie sich am besten in deinen Alltag integrieren lassen. Nur wenn du dauerhaft mit Spaß und Motivation dranbleibst, wird sich dein Training, egal zu welcher Tageszeit, auch auszahlen.

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